Sonnenschutz für einen Arbeitstag

Forschungsprojekt zu optimierter Berufskleidung

Sonnencreme war gestern, UV-Schutzkleidung ist heute – aus medizinischer Sicht bietet die richtige Kleidung umfassenderen Schutz vor den Gefahren der Sonne als Cremes. Dennoch scheuen viele Menschen, die sich berufsbedingt stundenlang im Freien aufhalten, wie Bauarbeiter, Gärtner, Landwirte, Ordnungskräfte, Gebäudereiniger oder Kellner, die Nutzung spezieller UV-Schutzkleidung.

„Arbeitskleidung mit UV-Schutz muss vielfach wiederaufbereitbar sein – aus diesem Grund gab es diese bisher nur aus robustem Gewebe, worin man sich gerade bei körperlicher Anstrengung schnell unwohl fühlt“, so Dr. Boris Bauer. Als Projektleiter an den Hohenstein Instituten in Bönnigheim beschäftigt er sich derzeit mit der Entwicklung von Arbeitskleidung, die ausreichenden UV-Schutz für einen gesamten Arbeitstag bietet und gleichzeitig physiologisch optimiert ist. Sie soll besonders atmungsaktiv sein und sich wie leichte Freizeitkleidung tragen.

Dass jede Kleidung ausreichend Sonnenschutz bietet, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Je nach Faserart, Dicke, Oberfläche, Struktur und Farbe des Textils fällt der UV-Schutzfaktor sehr unterschiedlich aus.

„Unser Ziel ist es Arbeitskleidung zu entwickeln, die sich optisch und funktionell an gängiger Arbeits- oder auch Freizeitkleidung orientiert, aber zusätzliche Funktionalitäten wie den hohen UV-Schutz und guten Tragekomfort bietet. Erst wenn alle diese Aspekte miteinander vereint sind, werden auch mehr Menschen diese Kleidung in ihren Arbeitsalltag integrieren und sich damit vor den negativen Folgen der UV-Strahlung schützen“, erklärt Boris Bauer.

Diesem Ziel haben sich die Forscher mit den ersten Funktionsmustern bereits sehr angenähert: die Langarm-Shirts weisen einen UV-Schutzfaktor (UPF) von 80 in besonders exponierten Bereichen wie den Schultern auf. Das dort verarbeitete Gewebe bietet aber nicht nur hohen UV-Schutz, sondern ist extrem strapazierfähig. Das im Rücken- und Ärmelbereich eingesetzte Gestrick ermöglicht aufgrund seiner elastischen Eigenschaften ein komfortables An- und Ausziehen des Shirts und bietet gleichzeitig ebenfalls einen UV-Schutzfaktor (UPF) von 80.

Aufgrund der Schnittführung und verwendeten textilen Materialien verfügen die Funktionsmuster zudem über hohen Tragekomfort. So befinden sich unter den Achseln und im Bauchbereich spezielle Textilzonen, die mit Hinblick auf eine vermehrte Schweißproduktion thermophysiologisch und hautsensorisch optimiert wurden.

Eine besondere Herausforderung stellt laut Bauer die Pflegbarkeit der optimierten Arbeitskleidung dar: „Bei Auswahl der kombinierten Materialien und deren Verarbeitung müssen wir darauf achten, dass diese sich nicht nur in der Haushaltswaschmaschine, sondern auch unter den mechanisch und thermisch anspruchsvollen Bedingungen der gewerblichen Wäscherei aufbereiten lassen. An diesem Aspekt arbeiten wir bei unseren Funktionsmustern im Moment noch mit Hochdruck.“