Sparen am falschen Ende

Wirtschaftsminister will Messeförderung kappen - Protest der Verbände

Überraschend hat das Bundeswirtschaftsministerium jetzt angekündigt, die Förderung der Auslandsmessen künftig nicht mehr auf dem geplanten Niveau fortführen zu wollen. Ohne vorherige Anhörung der bei Auslandsmessen engagierten Verbände unterrichtete das Ministerium per Rundschreiben von "Maßnahmen zur Sicherung des AMP 2009" und kündigte eine "deutliche Reduzierung bei der Aufnahme von Beteiligungen für 2010" an.

Hintergrund hierfür seien Kostensteigerungen durch höhere Ausstellerzahlen und Flächenbelegungen sowie eine ungünstige Wechselkursentwicklung.

Bereits ab Herbst 2009 sei eine Budgetlücke von knapp sechs Mio. Euro zu befürchten. Mittelständische Aussteller auf Auslandsmessen sollen daher auf einen beträchtlichen Teil der traditionellen Förderung verzichten müssen.

Die Textil- und Bekleidungsbranche gehört mit der CPM in Moskau und der INDEX in Dubai zu den besonders Betroffenen. Entsprechend vehement ist deshalb auch der Protest.

Eine von Gesamtmasche initiierte und vom Gesamtverband textil+mode koordinierte Lobby-Kampagne verfolgt das Ziel, den Ausstellern, die sich im September 2009 an der CPM in Moskau beteiligen, von den gleichen finanziellen Teilnahmebedingungen wie bisher profitieren zu lassen.

In einem Brief an Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kritisiert t+m-Präsident Peter Schwartze, dass die Maßnahmen alle Anstrengungen der Bundesregierung zur Stützung der Konjunktur konterkarierten. "Einerseits werden Milliarden ausgegeben, andererseits wird nichts getan, um die Budgetlücke im offiziellen Auslandsmesseprogramm zu schließen", so Schwartze, der den Minister zu einer Aufstockung des Etats für das Auslandsmesseprogramm aufforderte.

Dieses Anliegen haben sich sowohl der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, als auch der Präsident des Ausstellungs- und Messeausschusses der deutschen Wirtschaft (AUMA), Hans-Joachim Boekstegers, zu eigen gemacht. Beide setzen sich für die Interessen der Branche ein.

Zumindest ein Stück weit hat der Bund daraufhin eingelenkt und spricht inzwischen von weniger tiefen Einschnitten. Sogar eine stufenweise Budgeterhöhung sei geplant. Bis 2013 soll der Auslandsmesseetat um fast 16 Prozent steigen.
Die Diskussion ist aber solange nicht ausgestanden, wie das Ministerium noch auf Einsparungen gerade im schwierigen Jahr 2009 pocht.

In Krisenzeiten sind Auslandsmessen mehr denn je eine unerlässliche Plattform für internationale Kundenkontakte. Über die Auslandsmesseförderung kann dabei mit relativ geringen Mitteln besonders viel erreicht werden.
Großes Sparpotenzial wittert das Ministerium offenbar bei der CPM, da dort besonders viele deutsche Firmen ausstellen und für eine entsprechend große Fläche Zuschüsse von insgesamt bis zu einer Mio. Euro erhalten.

145 Aussteller waren auf der letzten CPM dabei. Damit stellte Deutschland unter der Federführung von Gesamtmasche die größte Gemeinschaftsfläche noch vor Italien. Die Messeförderung hat ganz entscheidend zu diesem Erfolg beigetragen.