Special Biozid-Workshop

Lösungen für die Entwicklung von biozid-funktionalisierten Textilinnovationen

Die seit 1. September 2013 rechtsgültige EU-Biozidverordnung hat eklatante Mängel, die auch insbesondere im Zulassungsverfahren für die Wirkstoffe begründet sind. Für die nachgeschalteten Verwender-Industrien ergeben sich daraus oftmals sehr teure Folgethematiken, weil das laufende Zulassungsverfahren ggf. einem Reifenwechsel in voller Fahrt während eines Formel-1-Rennens gleichkommt, ohne das die Teams wissen, ob die neuen Reifensätze überhaupt regelkonform sind. Was in der automobilen Königsklasse trotz höchstem Kapital- und Materialeinsatz nicht möglich ist, wird aber übertragen auf die BiozidVO von innovativen Textilern verlangt.

Die bisherigen Erfahrungen bei der Umsetzung der EU-Biozidverordnung lassen Probleme erahnen. Denn bei der Neuentwicklung von Textilinnovationen mit biozider Funktion gibt es immer wieder Schwierigkeiten mit nicht zur Zulassung angemeldeten Wirkstoffen, unvollständigen Zulassungsdossiers der Wirkstoffhersteller und vor allem mit der Geschwindigkeit der Zulassungsverfahren in den entsprechenden textilrelevanten Produktklassen selbst. Opfer sind u.a. innovative Textiler, die als nachgeschalteter Verwender dieser bioziden Wirkstoffe oftmals nicht wissen, welche Überraschungen in diesem System liegen können. Aktuell ist nur ein Wirkstoff für die Behandlung von Textilien in der entsprechenden Produktklasse PT 9 für die nächsten 10 Jahre zugelassen. Aber wer kennt schon Propiconazol? Planungssicherheit für neue Innovationen sieht anders aus.

So gab es Fälle, in denen Innovationen, die kurz vor der Produkteinführungsphase standen, gestoppt werden mussten, da sie aufgrund nicht BiozidVO-konformer Wirkstoffe bzw. Biozidprodukte nicht verkehrsfähig waren. In einigen Fällen konnten die Produkte noch schnell auf zur Zulassung registrierte Wirkstoffe umgestellt werden, in anderen Fällen mussten die gesamten Entwicklungs- und gegebenenfalls bereits angefallenen Produkteinführungskosten abgeschrieben werden.

Aus gegebenem Anlass wird sich der Biozidworkshop am 8. Oktober in Filderstadt mit dieser Thematik noch eingehender beschäftigen, um die Risiken für die Unternehmen zu minimieren.