Stationär oder online?

Kaufanreize durch "Kanalintegration" – Ein Vortragsabend bei t+m

"Hey, what’s going on?" Mit dieser lässig-lasziv von hübschen Boys und Girls dahingehauchten Frage werden die Kunden bei Abercrombie & Fitch am Eingang eines jeden Stores begrüßt. Das amerikanische Modelabel mit dem Vintage-Look schafft Einkaufsatmosphäre – cool, discogleich und duftend. Das zieht vor allem die junge Kundschaft in die Läden. So auch im jüngsten Shop auf der Kö in Düsseldorf. Während alle Welt vom Online-Handel spricht, steht die Kundschaft auf der Straße Schlange. Die Frage drängt sich auf: Ist E-Commerce eine Beraterblase? Wollen clevere Marketing- und Computerexperten die Textilhersteller nur zu neuen Internet-Investitionen verführen, ohne dass der Abverkauf an Fahrt gewinnt?

Ein Vortragsabend beim Gesamtverband textil+mode Ende November in Berlin brachte hierzu manch Erhellendes. Auch wenn die spröde Sprache von Experten erst übersetzt werden muss: "Die Zukunft im Handel wird durch Kanalintegration und die Dynamisierung der Kundeninteraktion geprägt." Will sagen: verbinde beides, stationären mit dem Online-Handel. Denn die Kunden wechseln beim Einkauf heute flexibel zwischen den Kanälen. Der Filialkauf, so die Beobachtung, wird zu 70 Prozent durch Online-Recherche vorbereitet. Und umgekehrt steigen die Umsätze, bei denen zuerst im Laden geguckt wird, um dann online zu bestellen. Also heißt die Devise neudeutsch: Innovatives Multi-Channeling. Innovativ deshalb, weil auch die sozialen Netzwerke in die Markenkommunikation einbezogen werden müssen. Denn – ob man will oder nicht – hier spricht der Kunde über meine Ware. Und da sollte der Hersteller am besten selbst mitreden.

Doch damit nicht genug: Als nächstes geht es um die Schaffung eines "integrierten Kundenerlebnisses".

Einkaufen im Netz soll Freude machen, und neue "Functions und Features" helfen dabei. Visuelle Produktsuche, assoziatives Online-Stöbern, virtuelles Anprobieren am personalisierten Avatar - der Fortschritt ist gewaltig. Und auch auf den Rat der Freundin muss beim Einkauf ohne Ladenschluss nicht mehr verzichtet werden. Denn mit "Social Shopping-Tools" gibt es die Möglichkeit, dass Freundinnen sich online treffen und beraten können. Bleibt nur noch offen, wer beim Eintritt in den Online-Store die Eingangsfrage stellt. Die digitale Welt wird auch dafür kaufanreizende Lösungen liefern.