Super-Markt Indien

Indischer Textilminister wirbt für Investitionen

Anfang Februar sind der indische Textilminister Dayanidhi Maran und seine Wirtschaftsdelegation in Frankfurt mit deutschen Unternehmern und Verbänden der Textil- und Bekleidungsindustrie zusammengetroffen. Auf der Veranstaltung "Collaborative Business Opportunities in the Textile & Apparel Sector" konnten sich deutsche Firmen über die Entwicklung des indischen Marktes informieren und Kontakte mit Vertretern des Ministeriums sowie mit indischen Unternehmerkollegen knüpfen. Interessante Fakten zum Marktpotenzial und zum Investitionsklima lieferten Fachvorträge und eine Podiumsdiskussion, in der indienerfahrene deutsche Unternehmer Erfahrungsberichte abgaben. Bürokratische Hemmnisse beim Aufbau der Produktion, Zollschranken oder Engpässe bei der Energieversorgung wurden dabei nicht verschwiegen. Doch die Potenziale sind angesichts der stetig steigenden Pro-Kopf-Einkommen der über 1,1 Milliarden Inder unverkennbar. Bis 2050 soll Indien zum größten Konsummarkt der Welt herangereift sein.

Die hervorragenden Wachstumsaussichten gelten für Markenmode genauso wie für technische Textilien in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen. Der heute 30 Milliarden Euro schwere Absatzmarkt für Textilien und Bekleidung soll in den nächsten zehn Jahren um über 100 Prozent wachsen. Bis 2013 soll die indische Nachfrage nach technischen Textilien um 60 Prozent auf knapp 14 Milliarden US-Dollar ansteigen. Dafür sorgen unter anderem der steigende Bedarf im indischen Autobau sowie der Ausbau des Gesundheitswesens, des Gastgewerbes und der Transportinfrastruktur. Seine Exportleistung im Textilsektor von heute 15 Milliarden Euro will Indien dabei bis 2020 mehr als verdoppeln. "Wir dürfen diese Entwicklung nicht verschlafen, die Welt verändert sich im Sekundentakt und unsere Unternehmen müssen mit gleicher Schnelligkeit reagieren", stellt Peter Schwartze, Präsident des Gesamtverbandes textil+mode, fest.

Indien zieht an und will angezogen werden. 2009 dürfte Indien Textilprodukte im Wert von ca. 1,5 Milliarden Euro nach Deutschland geliefert haben, ein Plus von 12 bis 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Relativ wie absolut gesehen eine beachtliche Leistung in einfuhrschwacher Zeit. Damit belegt der Subkontinent Rang 5, knapp hinter Italien, auf der Liste Deutschlands wichtigster Lieferanten für Textilien und Bekleidung, die von China, der Türkei und Bangladesch angeführt wird. Der deutsche Branchenexport nach Indien befindet sich mit aktuell ca. 70 Millionen Euro pro Jahr und angesichts der Größe des indischen Marktes noch auf einem bescheidenen Niveau, konnte aber ebenfalls zweistellig zulegen.

Ob Beschaffung, Produktion oder Absatz – Indien sei in jeder Hinsicht das richtige Pferd, auf dass die Deutschen setzen müssten. Allerdings, so meint der Minister, funktioniere die Strategie "Made in Europe – Sold in India" nur im Premiumbereich. Die Produktion vor Ort sei schließlich viel günstiger, und die indische Regierung biete verlockende Investitionsanreize. Außerdem umgehe man dadurch die lästigen indischen Zollbarrieren. Indien als Textilparadies? Manch deutscher Mittelständler hat sicher andere Vorstellungen vom Garten Eden. Von den Details vor Ort einmal ganz abgesehen: Zuhause und in den Ländern drumherum wollen viele weiterhin herstellen, nicht aber Produktion nach Indien verlagern. Die Zollschranken und die Restriktionen im indischen Einzelhandel müssen weg, fordert Präsident Schwartze. "Meiner Meinung nach sollten die Zölle auf beiden Seiten ganz wegfallen", kommentiert er die laufenden Freihandelsverhandlungen zwischen EU und Indien.