Forderungen der IG Metall nicht finanzierbar

Zweiter Runde der Tarifverhandlungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie

Als schlichtweg nicht finanzierbar bezeichnet Wolfgang Brinkmann, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, die Forderungen der IG Metall in der laufenden Tarifvertragsrunde für die deutsche Textil- und Modeindustrie: „5 Prozent Tarifsteigerungen, verpflichtende Altersteilzeit und zusätzliche Übernahmegarantie für alle Ausgebildeten überfordern unsere mittelständischen Unternehmen. Solche Forderungen schwächen uns im internationalen Wettbewerb. Angesichts einer seit August deutlich zurückgehenden Auftragslage würde dadurch die Wettbewerbsfähigkeit mancher Betriebe gefährdet. Das dürfen wir nicht zulassen.“

Konjunkturabschwung trifft Branche

Dr. Hartmut Spiesecke, Leitung Kommunikation, Presse, Öffentlichkeitsarbeit t+m

Eine verpflichtende Altersteilzeit verursache Kosten zwischen 7 000 und 12 000 Euro je Beschäftigtem pro Jahr für Aufstockungsbetrag, Rückstellungen und Insolvenzsicherung. Die Übernahmepflicht für alle Ausgebildeten würde Unternehmen abschrecken, auch denjenigen jungen Menschen eine Ausbildungschance einzuräumen, die dafür anfangs nicht ausreichend geeignet scheinen, erklärte Wolfgang Brinkmann. Die Arbeitgeber forderten das Auslaufen des Tarifvertrags zur Optimierung der Maschinenlaufzeiten sowie des Tarifvertrags zur Sicherung älterer Beschäftigter. Beide Tarifverträge sind Jahrzehnte alt und entsprechen nicht mehr der betrieblichen Praxis. Das Auslaufen sei auch sachgerecht, um arbeitsgerichtliche Verfahren zu vermeiden.

Die Friedenspflicht des Entgelttarifvertrags läuft am 31. Oktober aus. Eine kleine Arbeitsgruppe wird im Oktober über die verschiedenen Themen noch einmal intensiv verhandeln. Die nächste große Verhandlungsrunde wird am 12. November in Münster stattfinden.

Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie ist mit etwa 1.200 Unternehmen und 400.000 Beschäftigten im In- und Ausland die zweitgrößte Konsumgüterindustrie in Deutschland. Deutsche Textil- und Modeunternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 28 Milliarden Euro (davon 60 % Textil, 40 % Bekleidung) und sind damit in Europa führend. Textilunternehmen sind wichtige Zulieferer für Branchen wie Automobil, Luft- und Raumfahrt, Medizin, Geotechnologie etc. Der Gesamtverband textil+mode (t+m) ist der Dachverband der deutschen Textil- und Modeindustrie. t+m vertritt die Interessen der Branche in den Bereichen der Wirtschafts- und Sozial- sowie Tarif- und Bildungspolitik. In Moskau und Shanghai gibt es Kooperationsbüros des Verbandes.