Textil Innovativ 2010

Sicherheit, Komfort, Gesundheitsschutz und Smart Textiles

Am 7. Oktober kamen 250 Teilnehmer aus sieben Ländern zu dem von der Bayern Innovativ GmbH und dem Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie ausgerichteten Symposium "Textil Innovativ" in Aschaffenburg zusammen. Sie informierten sich über die neuesten Entwicklungen und zukünftigen Trends in den Bereichen "Sicherheit & Komfort" und "Gesundheitsschutz & Smart Textiles".

Innerhalb der Hightech-Sektoren wird das größte Wachstum dem Bereich Technischer Textilien vorhergesagt: 3,8 Prozent pro Jahr in Europa. Insbesondere der Markt für Schutztextilien ist stetig wachsend. Und die finden in vielfältigen Bereichen ihren Einsatz: Beispielswiese zum Schutz von Arbeits- und Einsatzkräften. Denn allein sieben Millionen Arbeitsunfälle ereignen sich in Europa pro Jahr. Diese Zahl möchte die Europäische Kommission bis 2012 um 25 Prozent reduzieren.

Die vielfältigen und sich erweiternden Anforderungen an die Schutzkleidung für Feuerwehrmänner erläuterte Dr. Timo Czech, Geschäftsführer, Lion Apparel GmbH, Köln. Zum einen seien die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit der direkten Flammeinwirkung, Hitzestrahlung, Verbrühungen durch Schweiß und der elektrostatischen Aufladung ausgesetzt. Immer öfter handle es sich bei den Einsätzen aber um technische Hilfestellung als um die Bekämpfung von Feuer. Deshalb sei es wichtig, dass die Kleidung durch hellere Farbtöne eine gute Sichtbarkeit gewährleiste sowie eine ergonomischere und multifunktionellere Schnittgestaltung. Bei der Materialentwicklung konzentriere man sich verstärkt auf Gewichtsreduzierung und einen verbesserten physiologischen Tragekomfort.

Aber auch in Sport und Freizeit gilt es sich zu schützen. Vor allem die Ausübung von Sportarten unter immer extremeren Bedingungen ist ein eindeutiger Trend und stellt neue Herausforderungen an die eingesetzten Materialien.

Besonders wichtig ist der Einsatz von Textilien im Gesundheitsschutz z.B. im Bereich der Infektionsbekämpfung und -prophylaxe, denn bis zu 900 000 Patienten infizieren sich pro Jahr in deutschen Krankenhäusern.
Insgesamt macht der Gesundheitsmarkt 12 Prozent des Bruttoinlandprodukts in Deutschland aus. Das entspricht rund 260 Mrd. Euro. Davon sind 29 Mrd. Euro dem privaten Konsum zuzurechnen – mit weiter steigender Tendenz. "Treiber ist der demographische Wandel", betonte Prof. Dr. Dirk Höfer, Stellv. Direktor der Hohenstein Institute in Bönnigheim.

Das Anwendungsfeld von Textilien in der Medizin reiche von OP-Textilien, Krankenhauswäsche, Wundauflagen, Bandagen, Kompressionsbekleidung, Hygieneprodukten bis hin zu künstlichen Blutgefäßen, Herzklappen, Herniennetzen sowie extrakorporalen Produkten, die Organfunktionen von Leber, Lunge oder Niere übernehmen können. Diese Textilien müssten spezifischen Anforderungen genügen, so Höfer.

Kompressionstextilien stellten einen der größten Nischenmärkte dar: 90 Prozent der Menschen leiden an Venenproblemen, jedoch sind nur ein Viertel davon in ärztlicher Behandlung. Ein weiteres attraktives Feld sei die Wundbehandlung, denn jede Wunde benötigt eine andere Therapieform. Textile Wundauflagen mit heilenden Wirkstoffen seien dabei auf dem Vormarsch.
Die Forschungsarbeit fokussiere sich außerdem auf die Biofunktionalisierung von Textilfasern mit adulten menschlichen Stammzellen. Stammzellen können sich in verschiedenste Zelltypen umwandeln. Dadurch kann die Wundheilung und das Einwachsen von Implantaten gefördert werden. Höfer geht davon aus, dass adulte Stammzellen der Weg der Zukunft sein werden.