Textil ist mehr als viele denken

Südwesttextil-Präsident lobt das Innovationspotenzial der Branche

Bodo Th. Bölze
Foto: Bodo Th. Bölze

„Auch in Zeiten der Digitalisierung und Roboterisierung sind die Menschen immer noch die beste Hardware, die Ideen in ihrem Kopf die beste Software. Und deshalb sind wir heute hier, wo textile Zukunft entsteht und wo wir uns als Südwesttextil ganz konkret mit einer Stiftungsprofessur engagieren.“ Mit diesen Worten begrüßte der frisch im Amt bestätigte Südwesttextil-Präsident, Bodo Th. Bölzle, am 27. April die Gäste der Mitgliederversammlung in der Aula der Hochschule Reutlingen.

Selbst wenn die Branchenzahlen sich noch knapp im positiven Bereich bewegten, wäre mitnichten alles in Ordnung. Die Textilindustrie bewege sich keineswegs auf einer Kurve nach oben, eher halte die Seitwärtsbewegung weiter an, führte er aus. Auch die Risiken für die Märkte seien nicht weniger geworden: politische Instabilität, schwacher Euro und starker Dollar, Russlandkrise, immer noch zu hohe Stromkosten sowie unnachlässige Versuche, den Arbeitsmarkt weiter zu regulieren. Von der aktuellen Flüchtlingskrise ganz zu schweigen. Dies alles entwickele sich immer mehr zum Alptraum für Unternehmer, denen nichts wichtiger sei als verlässliche Rahmenbedingungen.

„Diese hoffen wir mit einer neuen Landesregierung hier in Baden- Württemberg zu bekommen“, so der Präsident. „Wir haben als erster Verband nach der Wahl eine Mitgliederbefragung präsentieren können, in der 62 Prozent unserer Unternehmen Grün-Schwarz bevorzugten. Ich denke, das ist ein ordentlicher Vertrauensvorschuss – wir werden die Regierung dran messen.“

Textil liefert das Bindeglied der Wirtschaft – das, was Anderes zusammenhält.

Die Textil- und Bekleidungsindustrie gehöre zu den innovativsten Branchen des Landes, so Bölzle. Mit dem, was Südwesttextil in den vergangenen Jahren in den Topf des bundesweiten Forschungskuratoriums Textil eingezahlt habe, wurden 21-mal so viele Fördermittel generiert und nach Baden-Württemberg zurückgeführt, wo das Geld in oftmals anwendungsbezogener Forschung, häufig mit Unternehmen zu neuen Produkten werde. Das sei 21-facher „return on invest“ und praktische Zukunftsgestaltung für eine Industrie, die sich seit Jahrhunderten ständig neu erfindet und erfinden müsse.

„Dies zeigen auch die Aktivitäten in der von uns tatkräftig unterstützten „Allianz Faserbasierte WerkstoffeAFBW“, die immer mehr Mitglieder gewinnt, aus der Textilindustrie, aber auch aus peripheren Branchen, und die – nehmen wir nur einmal die letzte Veranstaltung zum Thema Bau und Architektur, beweisen kann: In manchen Anwendungen ist Textil das neue Metall.“

Stärker auseinandersetzen müsse sich die Textil- und Bekleidungsindustrie mit den Chancen der Digitalisierung, mahnte Bölzle. Vorbildlich unterwegs hingegen sei die Industrie beim Engagement und Bekenntnis für nachhaltige Produktion und nachhaltige Produkte. Jedoch auf dem Arbeitsmarkt, in der Energiepolitik, beim Chemikalienrecht sei die Liste der politischen Regulierungen lang – zu lang, so der Präsident.

Zum Abschluss dankte er den industriepolitisch Verantwortlichen im Land dafür, dass die Textil- und Bekleidungsindustrie an den entsprechenden Stellen stets ein offenes Ohr für ihre Belange findet.