Textil und Mode global

Außenwirtschaftstag erörtert Chancen und Risiken des internationalen Geschäfts

Präsidentin Ingeborg Neumann und Staatssekretär Matthias Machnig
Foto: Präsidentin Ingeborg Neumann und Staatssekretär Matthias Machnig

„Die Zukunft ist textil“, betonte Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes textil+mode, auf dem Außenwirtschaftstag, zu dem ihr Verband mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie am 3. März 2015 eingeladen hatte. An die 200 Vertreter aus Unternehmen, Verbänden, Verwaltung und Politik trafen sich in Berlin und diskutierten in zwei Foren und drei Workshops aktuelle Herausforderungen für grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten sowie Chancen und Risiken internationaler Zielmärkte. Staatssekretär Matthias Machnig, der die Veranstaltung eröffnete, zeigte sich beeindruckt von der Größe und Vielfalt der Textil- und Modebranche, deren Bedeutung für die deutsche Exportwirtschaft sein Haus erkenne: „Der Außenwirtschaftstag schärft den Blick für die Frage, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit Unternehmen der Textil- und Bekleidungsbranche auch weiterhin weltweit wettbewerbsfähig sein können.“ Einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Exportchancen leiste das Bundeswirtschaftsministerium bereits heute mit dem Markterschließungsprogramm für den Mittelstand. Gerade die Textil- und Modebranche könne hiervon besonders profitieren.

„Die Zukunft ist textil

Die EU-Handelspolitik war Thema des ersten Forums, in dem unter Moderation der Journalistin Dr. Ursula Weidenfeld die Europaabgeordnete Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl und Dr. Arthur Lopian von der EU-Generaldirektion Handel mit Hermann Güth (Güth & Wolf) und Bernd Stadtler (Hugo Boss) diskutierten. Die Unternehmensvertreter beanstandeten, immer komplexere Regularien auf nationaler und internationaler Ebene einhalten zu müssen. Das benachteilige vor allem den Mittelstand. Mit Blick auf die zunehmende Freihandelsverflechtung der EU kritisierten sie die restriktiven und veralteten Ursprungsregeln. Neue Abkommen wie TTIP seinen eine Chance, auch beim Präferenzursprung moderne Wege zu gehen. Sonst blieben die hohen Zollsätze der USA für Textilwaren, die sich oft zwischen 20 und 30 Prozent bewegten, ein prohibitives Hindernis. Doch ist es laut Kommissionsvertreter Lopian immer wieder mühsam, die Interessen der 28 Mitgliedstaaten unter einen Hut zu bekommen. Eine EU-Verhandlungsposition zu finden erschiene manchmal schwieriger als die Verhandlungen selbst. Die Abgeordnete Quisthoudt-Rowohl zeigte sich indessen optimistisch, dass noch 2015 wesentliche Fortschritte bei den TTIP-Verhandlungen erzielt werden könnten.

Das zweite Forum, moderiert von TM-Journalist Rainer Schlatmann, widmete sich unter dem Motto „Verantwortung wahrnehmen, Vorteile nutzen“ dem hochaktuellen Thema Corporate Social Responsibility. Prof. Dr. Nick Lin-Hi, erster Inhaber einer CSR-Professur an der Uni Mannheim, betonte den Beitrag nachhaltigen Wirtschaftens zum Unternehmenserfolg. Praktische Erfahrungen aus Indien schilderte Heiko Wehner von Karl Otto Braun: Im Produktionsbetrieb seiner Firma in Coimbatore würden pro Jahr ca. 100 unangemeldete Audits durchgeführt. Thomas Rasch, Geschäftsführer von German Fashion, verwies auf die Rolle deutscher Unternehmer als Auftraggeber, die auf die Produktionsbedingungen vor Ort nur bedingten Einfluss hätten. Die konstruktive Fortsetzung des Dialogs mit der Wirtschaft im Rahmen des „Textilbündnisses“ von Minister Müller kündigte Helmut Fischer vom Bundesentwicklungsministerium an, während Yvonne Zwick vom Rat für Nachhaltige Entwicklung die Verantwortung der Verbraucher in den Vordergrund rückte.

Drei Workshops widmeten sich dem Thema Markterschließung: Zum einen ging es um grundsätzliche Erfolgsfaktoren für den Marktzugang und unterstützende Instrumente des Bundes, zum anderen um Wachstumsmärkte in Lateinamerika und Asien mit ihren Chancen und Risiken. Erfahrungsberichte von Unternehmern zum Aufbau von Produktionen und Vertriebsstrukturen vor Ort sorgten für eine rege Diskussion.

Manfred Junkert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer textil+mode, resümiert: „Die Bedeutung textiler Produkte und ihrer Anwendungsmöglichkeiten wächst weltweit.“ Entsprechend brauche die Branche Zugang zu Märkten, in denen sie ihre Stärken ausspielen kann.