Deutsche Textil- und Modeindustrie wächst im Ausland stärker

Tarifpolitische Einschätzungen von Bundesbank und Europäischer Zentralbank treffen für diese Branche nicht zu

Zu den aktuellen tarifpolitischen Äußerungen erklärt Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie:

„Für die deutsche Textil- und Modeindustrie treffen die tarifpolitischen Einschätzungen der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank nicht zu. Wir erwarten in diesem Jahr etwa 1,8 Prozent Wachstum, dies entspricht etwa der Inflationsrate. Ein darüber hinausgehender Produktivitätszuwachs ist zur Zeit nicht erkennbar.

„Wir erwarten in diesem Jahr etwa 1,8 Prozent Wachstum, dies entspricht etwa der Inflationsrate“

Ingeborg Neumann, Präsidentin der Gesamtverbands textil+mode

Hingegen ist sehr deutlich, dass die Umsätze unserer Firmen überdurchschnittlich an den ausländischen Produktionsstandorten wachsen. Vor allem die im internationalen Vergleich außergewöhnlich hohen Energiekosten machen Investitionen im Ausland schon seit Jahren attraktiver als in Deutschland. Stark steigende Lohnkosten durch zu hohe Tarifabschlüsse würden den Trend zu Auslandsinvestitionen weiter verstärken. Das kann weder im Interesse der Bundesbank noch der Tarifpartner sein. Wir brauchen Tarifabschlüsse mit Augenmaß für regionale und branchenspezifische Belange. Dazu tragen die jüngsten Äußerungen des Bundesbankpräsidenten nicht bei.“

Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie ist mit etwa 1.200 Unternehmen und 400.000 Beschäftigten im In- und Ausland die zweitgrößte Konsumgüterindustrie in Deutschland. Deutsche Textil- und Modeunternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 28 Milliarden Euro (davon 60 % Textil, 40 % Bekleidung) und sind damit in Europa führend. Textilunternehmen sind wichtige Zulieferer für Branchen wie Automobil, Luft- und Raumfahrt, Medizin, Geotechnologie etc. Der Gesamtverband textil+mode (t+m) ist der Dachverband der deutschen Textil- und Modeindustrie. t+m vertritt die Interessen der Branche in den Bereichen der Wirtschafts- und Sozial- sowie Tarif- und Bildungspolitik. In Moskau und Shanghai gibt es Kooperationsbüros des Verbandes.