Textil- und Modemarkt Iran

Chancen für den textilen Mittelstand

Der Fall der Sanktionen gegenüber dem Iran ist eine Frage der Zeit. Investoren und Exporteure geben sich in Teheran bereits die Klinke in die Hand. Der Modehandel wächst real um 4 bis 5 Prozent pro Jahr. Westliche Marken profitieren bald besonders.

Das Land ist ein attraktiver Exportmarkt sowohl für Mode als auch für technische Textilien. Fast 80 Millionen Menschen leben in dem Golfstaat, die Bevölkerung ist jung und auch im internationalen Vergleich gut ausgebildet. Verschärfte Sanktionen seit 2010, darunter das EU-Ölembargo, hatten die iranische Wirtschaft zuletzt arg gebeutelt. Nachdem die Öleinnahmen wieder sprudeln, geht es aufwärts. Zurückgestellte Infrastrukturmaßnahmen, überfällige Investitionen in der Industrie und die anziehende Nachfrage im Automobilbau bedeuten Chancen für technische Anwendungen.

Derzeit rollen im Iran jährlich ca. 850 000 Neuwagen vom Band. Iranische Medizintechnik ist im Mittleren Osten führend. Nach den Krisenjahren 2012 und 2013 wächst das Land jetzt wieder mit 2,5 Prozent pro Jahr. Für 2017 prognostiziert die Weltbank ein Wachstum von bereits 6 Prozent.

Darüber hinaus wartet eine breite Mittelschicht darauf, westliche Qualitäts- und Markenmode einzukaufen. 2015 werden im organisierten iranischen Mode-Retail schätzungsweise 5,2 Mrd. Euro umgesetzt. Innerhalb von fünf Jahren soll der Modeabsatz um ein Fünftel wachsen. Das dynamischste Marktsegment ist dabei Kinderbekleidung (+27,5 Prozent bis 2019), gefolgt von Herrenmode, Wäsche, Accessoires und Damenbekleidung.

In den Großstädten bekommen traditionelle Bazare und der nichtorganisierte Einzelhandel Konkurrenz von westlich geprägten Einkaufszentren. Auch wenn die Shopping-Malls aussehen wie Einzelhandelszentren überall auf der Welt, sind die Marken, die es darin zu kaufen gibt, auf Umwegen in den Iran gelangt – über Händler in der Türkei oder in den Golfstaaten. Die Stores haben zu den Marken keine Verbindung. Dabei werden westliche Modemarken keineswegs am Irangeschäft gehindert. Doch reguläre Geldtransfers sind aufgrund der Sanktionen beinahe unmöglich. Viele internationale Marken sehen den Grauimport, der sich ihrer Kontrolle entzieht, mit Unbehagen. Derzeit betreiben nur wenige europäische Brands eigene Shops im Iran, darunter Mango, Benetton und Escada.

Das könnte sich bald ändern. Trotz jahrelanger Sanktionen schätzt der IWF das jährliche Pro-Kopf- Einkommen im Iran auf ca. 16 500 US-Dollar pro Jahr. Damit hat der iranische Durchschnittskonsument mehr in der Tasche als die Käufer in den Schwellenländern Brasilien, China, Indien oder Südafrika. Der iranische Mittelstand kauft mode-, marken- und qualitätsbewusst und ist gut über internationale Trends informiert. Teure Marken sind als Statussymbol wichtig. Der Preis für westliche Markenware, die deutlich teurer ist als im Ausland, wird dabei buchstäblich in Kauf genommen.