Grüner Knopf ohne Knopfloch

Textilbündnis stößt weitgehend auf Skepsis

„Die Vorstellung, dass ein Bündnis von Berlin aus die Marktlogik auf dem hochglobalisierten Textilmarkt umkrempelt, ist naiv“, schreibt das Handelsblatt. Und die Arbeitgeber-Bundesvereinigung hält die Realitätsferne für „frappierend wie entlarvend“. In diesem Sinne äußerten sich zahlreiche Medien und Wirtschaftsverbände anlässlich des am 16. Oktober von Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) in Berlin vorgestellten „Bündnisses für nachhaltige Textilien“. Und seine Pläne sind ehrgeizig. Er möchte die Unternehmen dazu verpflichten, die gesamte Lieferkette in der asiatischen Textilindustrie vom „Baumwollfeld bis zum Kleiderbügel“ zu kontrollieren. Ein neues Sozial-Siegel unter dem Namen „Grüner Knopf“ soll mittelfristig Anhaltspunkt für die Verbraucher sein, die gegen Kinderarbeit und Hungerlöhne in Entwicklungsländern sind.

Die Vorstellung, dass ein Bündnis von Berlin aus die Marktlogik auf dem hochglobalisierten Textilmarkt umkrempelt, ist naiv

Quelle: Handelsblatt

„Insgesamt stellen wir eine quantitativ und inhaltlich sehr breite Berichterstattung fest, die zum größten Teil unsere sachlichen Bedenken gegen den Maßnahmenkatalog enthält“, resümiert Dr. Uwe Mazura das Medienecho. Mit großem Einsatz hat der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes textil+mode in den vergangenen Monaten die Industrie bei den Bündnisgesprächen vertreten und die Öffentlichkeitsarbeit koordiniert. So war denn auch die negative Berichterstattung über die Textil- und Bekleidungsindustrie deutlich geringer als man angesichts der Emotionalisierung des Themas durch manche Medien und Interessengruppen im Vorfeld erwarten konnte. „Die Schlüsselmedien haben wir mit positivem Ergebnis erreicht“, lautet denn auch das Fazit von textil+mode.

Die Verbände haben die Vorbereitungen zu dem von Minister Müller initiierten Bündnis konstruktiv begleitet. Denn sie sehen sich in der Pflicht, ihren Mitgliedern praktische Orientierung für gesellschaftlich verantwortliches Handeln zu geben. Ziel dabei ist es, realistische Erwartungen an Unternehmen zu formulieren und sie bei der Entwicklung unternehmensindividueller praktikabler Ansätze zu CSR zu unterstützen. In diesem Sinne werden die Verbände im nächsten Jahr eine Informationskampagne für ihre Mitgliedsunternehmen starten.