Textile Herzklappenprothese für mehr Lebensqualität

ITV erfolgreich beim Innovationswettbewerb Medizintechnik

Das ITV Denkendorf war zusammen mit dem Klinikum der Universität München und Partnern aus Bonn und Düsseldorf beim diesjährigen Innovationswettbewerb Medizintechnik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erfolgreich: das interdisziplinäre Kompetenzteam wurde für seine Idee zur Entwicklung einer neuen Herzklappen-Prothese auf textiler Basis mit einem der begehrten Förderpreise ausgezeichnet. Die neue Prothese soll die Vorteile der vorhandenen Varianten verbinden und die Nachteile ausschließen.

Mit dem Preis zeichnet das BMBF jährlich besonders zukunftsweisende Konzepte in der Medizintechnik aus und fördert diese Forschungsprojekte, um eine möglichst kurze Zeitspanne von der Entwicklung bis zur Marktreife zu ermöglichen. Die Entwicklung der Herzklappen-Prothese fördert das BMBF mit insgesamt 500.000 Euro.

Erkrankungen von Herzklappen zählen zu den Hauptgründen für einen herzchirurgischen Eingriff. Die drei herkömmlichen Typen von Klappenprothesen sind alle mit spezifischen Nachteilen für die Patienten verbunden. Während die einen nur sehr begrenzt verfügbar sind, haben die anderen eine eingeschränkte Lebensdauer bzw. erfordern die lebenslange Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten mit den damit verbundenen Risiken.

Ziel der prämierten Innovationsidee, die am ITV unter der Leitung von Dr. Martin Dauner, Leiter des Forschungsbereichs Vliesstofftechnologie, bearbeitet wird, ist die Entwicklung einer zellbesiedelten gestenteten Herzklappenprothese auf Basis von synthetischen Polyurethan-Zellträgern. Dazu soll eine synthetische, nicht resorbierbare Vliesstoffstruktur in Form einer Taschenklappe mit körpereigenen venösen Zellen besiedelt werden. Der Körper würde die neue Prothese als körpereigen erkennen. Abwehrreaktionen wären damit vermieden. Gleichzeitig würde der Einsatz eines Kunststoffvlieses die Haltbarkeit der Klappenprothese deutlich erhöhen. Die Vliesstruktur mit ihrer elastischen Verformbarkeit und hohen Lebensdauer soll darüber hinaus erstmals die Option einer minimal-invasiven Implantation bieten. Daher ist geplant, neben der menschlichen Aortenklappen-Form auch einen zylindrisch expandierbaren Stent zu entwickeln, in den die Taschenklappen integriert werden. Dieser soll zukünftig das minimal-invasive Einführen und Verankern der Prothese oder sogar das Einführen über einen peripheren Gefäßzugang erlauben.

Damit wird die neue Prothese den bereits vorhandenen nicht nur hämodynamisch und bezogen auf die Biostabilität überlegen sein, sondern auch erstmals einen schonenden Eingriff an Stelle einer großen Operation erlauben.