Textile und automobile Taskforce

REACH beschäftigt viele Branchen

Im Bereich der technischen Textilien ist die deutsche Textilindustrie Weltmarktführer. Über 25 Prozent der Textilien werden direkt oder indirekt über OEM’s an die europäische Automobilindustrie geliefert, die damit ein Hauptabnehmer ist. Am 10. Juni lud der europäische Automobilverband (ACEA) zum Thema PFOA die textilen Umwelt-Experten und PFOA-Taskforcemitglieder, Dipl. Ing. (FH) Stefan Thumm von Südwesttextil, VTB und Gesamtmasche und Dr. Markus Strauß vom Verband Nord-West, zu einer Tagung der ACEA-REACH-Taskforce ins Entwicklungszentrum von Hyundai nach Rüsselsheim ein.

Stefan Thumm erläuterte in seinem Vortrag die Hintergründe des Dossiers sowie dessen Auswirkungen auf die Automobilindustrie – angefangen bei den textilen Rohmaterialien und Halbfertigprodukten bis in den Bereich der Halbleiterfertigung und Elektroindustrie. Schnell kristallisierte sich heraus, wie vielfältig und tiefgreifend die Automobilindustrie in dieses Thema involviert ist: wasserabstoßende Cabrioverdecke, schmutzabstoßende Sitzbezüge oder kraftstoffabweisende, textile Motorraumdämmungen und vieles mehr sowie phosphorsäureresistente, wasserabweisend funktionalisierte Karbonfaservliese für Brennstoffzellen im Bereich der E-Mobilität seien betroffen. Damit tangiere das Dossier auch den Bereich von absoluten Zukunftstechnologien, so der Experte.

Auch über das Thema PFOA hinaus gibt es zwischen Textilern und Automobilbauern viele gemeinsame REACH/CLP-Themen, wie die REACH-Registrierungsthematik der textilen Automobilfarbstoffe bzw. Farbpigmente, UV-Absorber als SVHC-Stoffe, das Thema Formaldehyd und gesondert auch die EU-Biozid-Verordnung. So appellierte Thumm zum Abschluss seines Vortrages an die ACEA-REACH-Taskforce, in diesen Themenfeldern eng zu kooperieren. Der ACEA-Taskforce-Vortrag steht in englischer Sprache im Mitgliederbereich zum Download bereit.

ECHA-PFOA-Restriction-Dossier – Eingabeempfehlungen der deutschen Textilverbände:
  • Ein gesichert messbarer, differenzierter, einheitlicher und vor allem realistischer PFOA-Grenzwert auf wissenschaftlich gesicherter Basis (Risiken, Toxikologie etc.) wird gefordert.
  • Um allgemein die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Industrie im globalen Kontext zu erhalten, muss eine generelle Verwendung der C6-Chemie für alle textilen Artikelbereiche erlaubt sein.
  • Weiterhin sollen Ausnahmen für die Verwendung der sog. „Long-chain“ Produkte (C8-Chemie), wie es das Dossier in der Option RMO 1 B vorsieht, möglich sein. Die Verwendung der C8-Produkte soll beschränkt auf textile Erzeugnisse für Umweltschutz, Energieeffizienz, Überlebensausrüstung, Gesundheitsschutz-, Automobil-, Sicherheits-, Medizin- und Arbeitsschutztextilien eingesetzt werden dürfen.
  • Zu den PFOA-related substances können Textiler nicht Stellung nehmen, da diese Thematik für die Textilindustrie in dieser Form neu ist.
  • Ebenfalls sind definierte, einheitliche, bezahlbare Prüfmethoden für die verschiedenen Materialien für textile Erzeugnisse von Seiten der ECHA festzulegen.