Textilindustrie zurückhaltend optimistisch

Umsatzplus von knapp vier Prozent in erster Jahreshälfte

Die Stimmung in der baden-württembergischen Textil- und Bekleidungsindustrie hält sich auf einem guten Niveau. Das vierteljährlich vom Verband Südwesttextil berechnete Geschäftsklima bei den rund 250 baden-württembergischen Mitgliedsunternehmen verbesserte sich sogar um 4,8 Punkte auf einen neuen Höchstwert. Danach bewerten knapp 80 Prozent der Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als befriedigend bis gut. 86 Prozent erwarten gar, dass ihre Geschäfte in den nächsten sechs Monaten genau so gut oder noch besser laufen werden.
„Unsere gute Stimmung gründet sich auf einer soliden Geschäftsentwicklung“, berichtete Südwesttextil-Präsident Carl F. Moll am Donnerstag anlässlich der Jahrespressekonferenz seines Verbandes in Stuttgart. So erzielte die Branche in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits ein Umsatzplus von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. "Maßgeblich für das positive Zwischenergebnis ist die Entwicklung bei den Bekleidungsherstellern", analysierte Moll. In diesem Bereich hätten die Betriebe eine Steigerung von 8,6 Prozent in den ersten fünf Monaten erzielt. Motor dieser Entwicklung sei einmal mehr der Export, bei dem der Umsatz um 15,7 Prozent angezogen habe. "Aber auch auf die Inlandsnachfrage ist der Funke endlich übergesprungen", freute sich der Verbandspräsident. Die Bekleidungsindustrie habe auf dem Inlandsmarkt ein Umsatzplus von 3,7 Prozent erreicht. Die übrigen Textilbetriebe verzeichneten dagegen ein leichtes Minus von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt gibt sich die Branche im Südwesten zurückhaltend optimistisch. "Wir rechnen für das Gesamtjahr 2007 mit einem Umsatzzuwachs von 2 bis 3 Prozent", so Carl F. Moll. Laufe die Konjunktur wie erwartet weiter, hofft Südwesttextil auch auf einen Anstieg der Beschäftigung. Ende Mai dieses Jahres waren mit 28.600 Beschäftigten geringfügig mehr Mitarbeiter in den Betrieben tätig als noch zu Jahresbeginn. Um sich von der Konjunktur unabhängiger zu machen, rät Südwesttextil seinen Mitgliedsunternehmen, sich ständig über neue Produkte und Prozesse zu profilieren. Die Innovationsfähigkeit sei unabdingbare Voraussetzung zur Sicherung der eigenen Marktposition, so Moll. Gegen die Konkurrenz aus Billiglohnländern könne sich die deutsche Textilindustrie nicht behaupten. Südwesttextil präsentierte beispielhaft drei Unternehmen aus Baden-Württemberg, die sich auf einem erfolgreichen Innovationskurs befänden. So entwickelt die Firma Gruschwitz aus Leutkirch technische Zwirne für die Automobilzulieferindustrie oder die Medizintechnik, wo besondere Qualität und Funktionalität gefragt sind. Durch Bildung von strategischen Marktpartnerschaften in Entwicklung und Vertrieb setzt das Unternehmen ganz auf Produkte mit erhöhter Wertschöpfung. Auch die rökona GmbH aus Tübingen liefert mit technischen Textilien in das Premiumsegment der Automobilindustrie sowie in den Medizin- und Sportswearbereich.
Um ständig neue Produktideen kreieren zu können, investiert das Unternehmen jährlich rund 1,2 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung. Als klassisches Nischenunternehmen stellt die Theodor Preuss GmbH aus Ubstadt-Weiher gewirkte technische Textilien etwa aus Glasfasern oder für die Erdkabelisolierung her. Weitere Innovationen wie Abstandsgewirke aus Metallfasern oder Glasgewirke für die Kanalsanierung sind in Vorbereitung.

Weitere Wirtschaftsdaten in Kurzform: Die baden-württembergische Textil- und Bekleidungsindustrie erzielte im Jahr 2006 einen Umsatzzuwachs von einem Prozent auf 5,2 Mrd. Euro. Davon entfielen knapp 2,7 Mrd. Euro auf die Bekleidungsindustrie. Die Textilindustrie blieb mit ihren erwirtschafteten 2,5 Mrd. Euro leicht hinter den im Vorjahr erzielten Umsätzen zurück. Die größte Produktgruppe bilden die technischen Textilien, die einen Anteil von 45 Prozent am Branchenumsatz ausmachen. Die Bekleidungs- sowie die Heim- und Haustextilien teilen sich den Rest zu gleichen Anteilen. In Baden-Württemberg gibt es rund 250 Textil- und Bekleidungsunternehmen, die 28.600 Arbeitnehmer beschäftigen.