Textilkennzeichnung neu geregelt

EU-Kommission gibt Studie zu Etikettierungsfragen in Auftrag

Die Rohstoffkennzeichnung von Textilwaren wird künftig durch eine europäische Verordnung geregelt. Bereits im Mai hat das EU-Parlament einen entsprechenden Vorschlag verabschiedet. Bisher ist die Textilkennzeichnung durch eine Richtlinie geregelt, die in den einzelnen EU-Ländern in nationales Recht umgesetzt wird. Die Verordnung wird demgegenüber unmittelbar in den Mitgliedstaaten gelten. Dadurch können Innovationen im Faserbereich schneller bei der Kennzeichnung berücksichtigt werden.

Vom "europäischen Etikett", von dem die Fachpresse bereits schwärmte, ist die Branche leider noch weit entfernt. Vielsprachigkeit sowie unterschiedliche nationale Regelungen zur Pflege- und Größenkennzeichnung bleiben der Branche bis auf weiteres erhalten. Auch die "Made in"-Diskussion ist noch nicht vom Tisch: Nach wie vor pochen die EU-Abgeordneten auf eine Verordnung zur verpflichtenden Ursprungskennzeichnung.

Dem Verordnungsbeschluss war eine heftige Debatte um sachfremde Themen vorausgegangen, die über Angaben zum Rohstoffgehalt weit hinausgingen. Dazu gehörten die Verankerung eines verpflichtenden "Made in" in der Verordnung oder Pflichtangaben zu allergenen Substanzen. Nichts davon wurde durchgesetzt – allerdings muss die EU-Kommission bis Herbst 2013 eine Studie zu den Streitpunkten vorlegen.

An den Grundsätzen der Rohstoffangaben wird sich durch die Verordnung wenig ändern. Allerdings gibt es einige Details, die unangenehm werden können. Insbesondere ist in Zukunft auf die Verwendung tierischer Materialien wie Leder, Pelz oder Horn mit der Formulierung "Enthält nicht-textile Bestandteile tierischen Ursprungs" hinzuweisen. Eine Bagatellgrenze – etwa bei der Verwendung von Lederetiketten – ist nicht vorgesehen.

Die bisher mögliche Kennzeichnung mit "85% Mindestgehalt…" entfällt, ebenso die Möglichkeit, sich auf Prozentangaben zu den beiden wichtigsten Faserarten zu beschränken und die restlichen Fasern ohne Prozentsätze anzugeben. Für die Kennzeichnung mit dem Sammelbegriff "Sonstige Fasern" gelten neue Schwellenwerte, und die Regelungen für Miederwaren wurden übersichtlicher gestaltet und finden sich nun als Tabelle im Anhang der Verordnung.

Die EU-Mitgliedstaaten haben die neue Textilkennzeichnungsverordnung am 19. Juli formell gebilligt. Mit einer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt ist nach der Sommerpause zu rechnen, 20 Tage später tritt die Verordnung dann in Kraft. Danach hat die Industrie sechs Monate Zeit, um sich auf die Neuerungen einzustellen. An diese sechs Monate schließt sich eine Übergangsfrist von zwei Jahren an, in der noch Ware mit "alter" Kennzeichnung über den Ladentisch gehen darf.

Kennzeichnung unter der Lupe
Vor kurzem wurde die englische Unternehmensberatung Matrix Insight Ltd damit beauftragt, die bestehenden Kennzeichnungsanforderungen zu analysieren und Bedarfe bei Industrie, Handel und Verbrauchern zu ermitteln. Die Untersuchung wird neben der Ursprungs-, Größen- und Pflegekennzeichnung auch Öko- und Sozial-Labelling, Angaben zu Brennbarkeit und allergenen Substanzen sowie die Lederkennzeichnung umfassen. Dabei wird es um Vorteile und Probleme der freiwilligen und verpflichtenden Kennzeichnung, der Kennzeichnung in mehreren Sprachen und der elektronischen Kennzeichnung gehen. Interessierte Unternehmen können sich bis Mitte Oktober an der Umfrage beteiligen. Der Fragebogen steht unter hier, auf der linken Seite in deutscher und englischer Sprache zum Download bereit. Der Gesamtverband textil+mode plant außerdem einen Workshop, bei dem Unternehmensvertreter die aufgeworfenen Fragen mit den Beratern diskutieren können.