Tierisch kompliziert

Expedition in den Kennzeichnungsdschungel

Die korrekte Kennzeichnung von Textilwaren ist kein einfaches Geschäft. Entsprechend groß war der Andrang zum Seminar "Textilkennzeichnung aktuell", zu dem Südwesttextil und Gesamtmasche am 19. Oktober eingeladen hatten. Selbst für alte Hasen ist der Dschungel von Rohstoffkennzeichnung, Pflegesymbolen, Herstellerangabe und "Made in" immer schwerer zu durchschauen. Hinzu kommen die Änderungen durch die neue EU-Textilkennzeichnungsverordnung, die am 7. November in Kraft tritt.

Die Verordnung ersetzt die EU-Richtlinie und die nationalen Gesetze zur Rohstoffkennzeichnung. Die praktischen Änderungen sind in ihrer Zahl zwar begrenzt und betreffen die Grundsätze der bisherigen Kennzeichnung kaum. Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail: Während für bestimmte Waren wie Matratzen die Kennzeichnungspflicht gelockert oder – wie z. B. bei Miederwaren - klarer geregelt wurde, gab es an anderer Stelle Restriktionen. Beispielsweise entfallen die "85%-Mindestgehalt-Regel" und die Möglichkeit, sich bei den Prozentangaben auf die beiden wichtigsten Faserarten zu beschränken. Auch die Verwendung des Begriffs "Sonstige Fasern" wird künftig strenger gehandhabt.

Den Vogel abgeschossen hat jedoch die neue Auflage, den Hinweis "Enthält nicht-textile Teile tierischen Ursprungs" ins Etikett aufzunehmen – gegebenenfalls, versteht sich. Was zunächst wie die Forderung eifriger Tierschützer klingt, Pelz- und Lederbestandteile besonders auszuweisen, entpuppt sich als bürokratischer Nonsens: Tierischen Ursprungs sind neben Pelz und Leder auch Horn, Federn und anderes mehr. Da keine Bagatellgrenze vorgesehen ist, gilt selbst für den Perlmutt-Zierknopf am Minislip die entsprechende Regel. Hersteller von Bettwaren mit Entendaunenfüllung müssen ihre Kunden künftig darauf hinweisen, dass Enten Tiere sind. Das alles scheint wenig sinnvoll.

Wer ungewollten Etikettenschwindel vermeiden will, bekommt also noch mehr zu tun als bisher. Ob in der Praxis wirklich Haare gespalten werden müssen, sei dahin gestellt. Klare Regeln wären allemal besser. Es bleibt zu hoffen, dass Vernunft einkehrt und die tierischen Blüten aus Brüssel schnell zurückgestutzt werden. Schließlich sollen die neuen Anforderungen bereits ab dem 8. Mai 2012 gelten. Ein Trost: Über den Ladentisch dürfen nach altem Recht gekennzeichnete Textilwaren noch drei Jahre gehen.

''Anregungen und Kritik zur neuen TexKennzVO nimmt Südwesttextil gerne entgegen. Die Materialien zum Seminar "Textilkennzeichnung aktuell" können bei Südwesttextil abgerufen werden ([javascript protected email address]).

Der Gesamtverband textil+mode hat Ende Oktober einen Leitfaden bereitgestellt, der einen Überblick über Änderungen gibt, die sich aus der neuen Textilkennzeichnungsverordnung ergeben. Er steht unter http://www.suedwesttextil.de zum Download bereit.''