Trendindikator Stoffmesse München

Eindrücke eines Messerundgangs

In Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit, in denen sich jedes Unternehmen fragt, wie es weiter geht, gewinnt jeder Indikator besonderen Wert, vor allem, wenn es sich um eine etablierte Messeveranstaltung handelt.
Vor diesem Hintergrund stellte die Branche hohe Erwartungen an die "munichfabricstart" – die internationale Stoffmesse in Deutschland. Vom 1. bis 3. September präsentierten Hersteller von gewebten und bedruckten Stoffen im m,o,c in München ihre Herbst/Winter Kollektion 2010/11. Auch zahlreiche Maschenstoff-Kollektionen beeindruckten das Fachpublikum.

Das Musterungsinteresse war vom Start weg groß – " …und das heißt ja schon mal was", meinte ein Aussteller, der mit niedrigen Erwartungen an die Orderaktivitäten nach München gekommen war.

Noch ist es verfrüht, über die verkauften Coupons hochzurechnen, wie hoch der Stoffbedarf der Bekleidungsindustrie nach der Musterungsphase sein wird. Die eigentliche Order findet Ende September und im Oktober statt. Die daraus resultierende belastbare Marktgröße wird die Richtung angeben. Letztendlich wird die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Deutschland den Fortgang des Konsums bestimmen – und die Entwicklung der Nachfrage mag keiner verbindlich voraussagen.

Bei den Gesprächen mit den Ausstellern standen zwei Themen im Vordergrund: das Verhalten der Kreditversicherer, insbesondere deren mangelnde Risikoübernahme für relativ kleine Forderungen, die aber einem Mittelständler bei Ausfall ordentlich zusetzen können und die Sicherungsforderungen der Banken, für die Vergabe neuer Kreditlinien. Die staatlichen Stützungsmaßnahmen, die den Banken gewährt worden sind, kämen beim Darlehnsnehmer nicht an. Es fehle an intensiveren Wettbewerben unter den Banken.

Insgesamt war die Messe erfolgreich. Sie ist gewachsen und hat an Internationalität dazu gewonnen: Von 762 Ausstellern waren 41 Neuzugänge aus 14 Ländern. Das kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Stoffhersteller und die Trends suchende Bekleidungsindustrie dem Standort und dem Messeformat vertrauen.
Deshalb gibt es zu den Überlegungen der Veranstalter, auf das Gelände der großen Schwester, der Messe München umzuziehen, unter den Ausstellern auch Vorbehalte. Man fürchtet um die Übersichtlichkeit, die einheitliche Standoptik, das Preisgefüge und die "Intimität".