Trost im erschwinglichen Luxus

Heimtextil-Bilanz überraschend positiv

Finanzkrise, rückläufige Nachfrage, verdüsterte Exportaussichten – viele Unternehmen sind verunsichert ins Jahr 2009 gestartet. Die weltweit schwache Konjunktur spiegelte sich auch in verminderten Besucher- und Ausstellerzahlen auf der weltgrößten Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien, Heimtextil, wider, die vom 14. bis 17. Januar in Frankfurt stattfand. Insbesondere aus den am stärksten krisengebeutelten Ländern wie China, USA, Indien und Südkorea kamen deutlich weniger Aussteller. Auch die Fachbesucherzahlen aus Italien, Portugal und Spanien strömten nicht so zahlreich wie im Vorjahr.
Südwesttextil war dabei und hat sich ein eigenes Bild der Lage verschafft. Wie ist es um die Stimmung bei den Heimtextilern tatsächlich bestellt? Ergebnis des Südwesttextil-Messerundgangs: überraschend positiv. Alle befragten Mitgliedsunternehmen, ob aus den Bereichen Bett, Bad, Tisch oder Deko, blicken mit Optimismus in die Zukunft. Zwar ist allen klar, dass das wirkliche Nachfragetief erst noch bevorstehen könnte. Stellenabbau und Sparmaßnahmen schlagen schließlich erst mit zeitlicher Verzögerung auf die Konsumenten und deren Portemonnaies durch.
Doch wer in diesen schwierigen Zeiten größere Investitionen scheut, sucht möglicherweise Trost im erschwinglichen Luxus und macht es sich zuhause gemütlich. Diese Feststellung beruht nicht auf Zweckoptimismus, sondern auf einem regelmäßig wiederkehrenden Phänomen während wirtschaftlich schwieriger Zeiten.
Zufrieden äußerten sich die Aussteller auch – trotz geringerer Besucherzahlen – über den Verlauf der Messe. Die Südwesttextil-Beobachtung: die Zeit der Massenprozessionen durch die Heimtextil-Messehallen ist endgültig vorbei. Doch auf den Ständen herrscht reges Treiben. Wer zur Messe kommt, plant seine Besuche systematischer und fokussierter. Außerdem wurde der Messebesuch durch ein hervorragendes Qualtitätsangebot, Produktneuheiten und neuartige Formen der Darbietung belohnt. Isolierte Produktpräsentation in Monokultur ist passé. Stattdessen findet der Besucher inspirierendes Wohn- und Wohlfühlambiente auf den Ständen vor.
Neue Ideen also auch für den Einzelhandel. Schade nur, dass dieser sich am Messesamstag, dem traditionellen Tag der kleineren Einzelhändler, etwas rar machte. Für die meisten Aussteller wird die Heimtextil noch stärker zu der Plattform, auf der Kontakte zu internationalen Kunden geknüpft werden.