Überhöht, riskant und schädlich

Kappus weist IG-Metall-Forderung zurück

Vor der Tarifrunde für die Beschäftigten der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie hat der Sozialpolitische Verhandlungsführer von Südwesttextil, Holger Kappus, die Forderung der IG Metall nach einer Tarifanhebung um 5,5 Prozent als überhöht zurückgewiesen. "Die Konjunktur in unserer Branche läuft vollkommen unterschiedlich und ist bei weitem nicht zufriedenstellend", so der Geschäftsführer der Coats Deutschland GmbH in Bräunlingen. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate hätten sich zuletzt weiter abgeschwächt. Nach Lage der Dinge werde sich das Wachstum im Jahr 2008 weiter vermindern. Dies geschehe im Zuge der allgemein nachlassenden Wirtschaftsdynamik sowie zunehmender Konjunktur-Risiken u.a. durch die extrem hohen Rohstoff- und Energiepreise. "Diesen Umständen müssen wir Rechnung tragen, wenn die Tarifpolitik zur längerfristigen Wettbewerbsfähigkeit von Produktion und Arbeitsplätzen beitragen soll", so Kappus. Viele Betriebe hätten in den letzten Jahren ihre Kosten in den Griff bekommen. Und das bei steigenden Belastungen. Deshalb dürfe die Tarifpolitik den Betrieben jetzt nicht in den Arm fallen, so dass das ganze Elend wieder von vorne losgehe. Als voll in den Weltmarkt eingebundene Industrie dürfte die Textil- und Bekleidungsunternehmen ihre Kostenrelationen im Vergleich zu den Wettbewerbern auf keinen Fall wieder verschlechtern. "Verlorene Positionen in der Welt sind nicht wieder zurückzuholen", warnt Kappus.
Dort wo heute Unternehmen erfolgreich seien, dürften überzogene Tariferhöhungen nicht zu einer dauerhaften Mehrbelastung der Betriebe führen. "Diese Lasten sind dann in schlechten Zeiten für die Unternehmen im Flächentarif nicht mehr tragbar", betonte Kappus und warnte vor einer weiteren Aufweichung der Tarifbindung.
Neben der Entgelterhöhung verlangt die IG Metall, dass die Regelungen zur Altersteilzeit, die Ende Februar auslaufen, verlängert werden. Außerdem will sie, dass vermögenswirksame Leistungen künftig für die Verbesserung der Altersvorsorge genutzt werden können. Und schließlich sollen die Arbeitgeber zur Einführung eines einheitlichen Entgeltrahmentarifvertrags bewogen werden. Wie bereits in früheren Jahren will die Gewerkschaft auch eine Übernahmeverpflichtung für Ausgebildete.
Angesichts des umfangreichen Forderungspakets der Gewerkschaft stellen sich die Textil- und Bekleidungsarbeitgeber auf länger dauernde und schwierige Verhandlungen ein. Sie werden wieder gemeinsam mit den anderen Landesverbänden auf Bundesebene unter Vorsitz von Wolfgang Brinkmann (F.W. Brinkmann GmbH, Herford) geführt. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 30. Januar vorgesehen.