Umsetzung des EDL-G

Aktueller Stand für die „Nicht-KMU-Textiler“ bei der Umsetzung der Energiedienstleistungsgesetzes

Am 22. April ist die Novelle des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) in Kraft getreten. Sie sieht für alle Unternehmen jeglicher Wirtschaftszweige, die nicht unter die KMU-Definition der EU fallen (bis 250 Mitarbeiter, Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. EUR oder Jahresbilanzsumme von höchstens 43 Mio. EUR), die Verpflichtung zur regelmäßigen Durchführung von Energieaudits vor. Diese Verpflichtung ist von den betroffenen Unternehmen erstmalig bis zum 5. Dezember 2015 zu erfüllen. Anschließend muss ein Energieaudit mindestens alle vier Jahre erfolgen.

Für die Nicht-KMU-Unternehmen, die bisher keine Energieaudits durchgeführt haben, ist zunächst abzuklären welches System zu ihnen passt und wie die daraus abgeleiteten Ziele am besten erreicht werden können. Es ist daher kurzfristig eine Entscheidung zu treffen, ob ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 (Ausgabe Oktober 2012) oder ein Energiemanagementsystem eingeführt werden soll. Daher ist der vorgegebene Zeitrahmen für die Unternehmen, neben den vielen anderen gesetzlichen Verpflichtungen, die zu erfüllen sind, sehr eng. Dieser Zeitdruck behindert das eigentliche Ziel, nämlich einer möglichst durchdachten Steigerung der Energieeffizienz.

In Deutschland ging man noch im April davon aus, dass etwa 50 000 Unternehmen unter die „Nicht- KMU-Definition“ fallen. Nach aktuellen Schätzungen besitzen mittlerweile über 100 000 Firmen diesen Status. Das verschärft die Situation für die Unternehmen, denn vielerorts mangelt es an akkreditierten Auditoren, geschultem Fachpersonal in den Firmen selbst und schlichtweg an der Zeit, bis zum Stichtag 5. Dezember alles gesetzeskonform für die meist mehreren Betriebsstandorte zu erfassen.

Da das neue Gesetz Bezug auf die DIN EN 16247-1 nimmt, die einen Energiemanagement-Beauftragten fordert, bieten daher aktuell einige IHKs einen entsprechenden Lehrgang zur Qualifizierung der innerbetrieblichen Energiebeauftragten an. Auch die großen Energieversorger, wie EnBW, EON etc. bieten Services an. Die Verbände Südwesttextil und Gesamtmasche sowie der VTB unterstützen ihre Mitglieder über die langjährige Partnerschaft mit der Energie Consulting GmbH (ECG) in Kehl.

Laut Bundesregierung soll aufgrund des engen Zeitrahmens bei der Anwendung des Gesetzes auf die Unternehmen Rücksicht genommen werden. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) soll bei der anstehenden Prüfung dem Umstand Rechnung tragen, dass den betroffenen Unternehmen aufgrund der kurzen Frist nur wenig Zeit zur Durchführung eines ersten Energieaudits verbleibt.

Ebenfalls soll eine verlängerte Frist bei Einführung eines aufwendigen Managementsystems als Alternative zum Energieaudit gewährt werden. Bei der Überprüfung durch das BAFA müssen die Unternehmen bis zum 31. Dezember 2016 lediglich den Nachweis über den Beginn der Einrichtung eines entsprechenden Managementsystems erbringen. Dieser erfolgt durch die Abgabe einer schriftlichen oder elektronischen Erklärung der Geschäftsführung. Das Unternehmen verpflichtet sich damit, ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS einzuführen. Die Einführung eines solchen Systems gilt als begonnen, wenn für ein Managementsystem nach ISO 50001 mindestens die energetische Bewertung nach Nummer 4.4.3 der Norm erfolgt ist. Für ein Umweltmanagementsystem nach EMAS muss mindestens die Erfassung, Dokumentation und Analyse eingesetzter Energieträger mit einer Bestandsaufnahme der Energieströme und Energieträger und der Ermittlung wichtiger Kenngrößen in Form von absoluten und prozentualen Einsatzmengen (inklusive monetärer Einheiten) erfolgt sein.

Auch eine Vereinfachung für verbundene Unternehmen im Wiederholungsaudit soll ermöglicht werden. Die Bundesregierung prüft, wie bei verbundenen Unternehmen mit besonders geringen Verbräuchen Wiederholungsaudits wesentlich vereinfacht werden können. Weitere Konkretisierungen werden in Form von Handreichungen bzw. Merkblättern durch das BAFA gegeben.

Generell gilt, dass diese Art von „Stresstests“ für die deutsche Wirtschaft seitens der Gesetzgebung mittlerweile nicht nur im Energiebereich eher die Regel und nicht die Ausnahme sind – ein Umstand der so nicht bleiben kann.