Gemeinsame Umweltaussprache

Das Treffen in Günzburg stand unter dem Vorzeichen von REACH

Gut besucht: die erste gemeinsame Umweltaussprache der Verbände im Süden
Foto: Gut besucht: die erste gemeinsame Umweltaussprache der Verbände im Süden
© Südwesttextil

Gemeinsam tagten am 19. März zum ersten Mal die bayrischen und baden-württembergischen Mitglieder von VTB, Südwesttextil und Gesamtmasche bei der Umweltaussprache in Günzburg. Die mit 45 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung zeigte, welche tiefgreifenden Auswirkungen die EU-Stoffpolitik für die Textilbranche mittlerweile hat.

Umweltreferent Stefan Thumm erläuterte die vorgeschlagenen Inhalte des von der ECHA (European Chemicals Agency) Ende 2014 veröffentlichten „PFOA-Restriction-Dossiers“ und zeigte auf, dass bei deren Einhaltung die europäische Textilindustrie bei Verwendung von fluorhaltigen Rohstoffen und Produkten gegenüber anderen Regionen in der Welt gravierend benachteiligt würde. Viele Betriebe und europäische Chemieproduktionen wären sogar in ihrer Existenz gefährdet. Darüber hinaus tangiere das Dossier nicht nur fluorierte Polymere für die wasser-, öl- und schmutzabweisende Ausrüstung von Textilien, sondern auch Fluorpolymere wie PTFE, die ebenfalls sehr oft im Bereich der technischen Textilien, (z. B. Membransysteme für Brennstoffzellen, etc.) eingesetzt würden, so Thumm.

Zu diesem Thema präsentierte im Anschluss Gastreferent Dr. Markus Strauß, Textil- und Bekleidungsverband Nord-West, einen Erfahrungsbericht Best-Environmental-Practices (BEP) in Bezug auf die Verwendung von fluorhaltigen Hilfsmitteln in der Textilindustrie.

Über den Stand der REACH/ CLP-Neueinstufung von Formaldehyd referierte Michael Pöhlig vom IVGT. Er berichtete, dass sich bei diesem Thema zumindest in Teilbereichen eine erste Entspannung durch die konzertierte Aktion der Verbände zeige.

Im Bereich der REACH-registrierungspflichtigen Farbstoffe hingegen sei die Lage alles andere als entspannt, so Stefan Thumm. Dies zeigte sich auch in der Diskussion mit den Teilnehmern nach seinem Bericht über den Stand der verbandlichen Aktivitäten. Nach Bekunden der Mitglieder fehlten vor allem verbindliche Aussagen der Lieferanten über die Verfügbarkeit von vielen registrierungspflichtigen Farbstoffen, Hilfsmitteln, Rohstoffen etc. nach Ende der REACH-Registrierpflicht im Juni 2018. Sie appellierten an die Verbände weiter alles zu tun, um dieses Problem bei der EU-Kommission als auch bei der Politik zu adressieren. Darüber hinaus wurde aus dem Mitgliederbereich berichtet, dass nicht gesetzliche, kostenpflichtige Produktregistrierungen, wie z.B. bei Flammschutzmitteln, die im Hinblick auf den Ökotex- Standard verwendet werden, zunehmend Probleme bereiten.

Zum Abschluss erläuterte Alexander Henze von ECG die Auswirkungen des Energiedienstleistungsgesetzes für die Mitgliedsunternehmen. Hierzu veranstaltet der Gesamtverband textil+mode am 21. April in Ulm einen Informationstag.