Umweltpolitische Reizthemen

Südwesttextil-Vorstand erörtert aktuelle Ärgernisse

„Die EU-Stoffpolitik gefährdet unsere Rohstoffversorgung“, mahnt Stefan Thumm eindringlich. Der Umweltreferent von Südwesttextil hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den umweltpolitischen Reizthemen der Branche beschäftigt und legt vor dem Verbandsvorstand den Finger in die Wunde. Es bestehe nicht nur die Gefahr extremer Preisschwankungen, so der Diplom-Ingenieur für Textilchemie und -veredlung, auch ganze Wertschöpfungsketten insbesondere im Automobilbereich könnten gesprengt werden. Hintergrund ist unter anderem die Kostenproblematik der EU-REACH-Registrierung für Spezialrohstoffe im Mengenband 1 bis 100 t/a, die „hunderte von Millionen Euro“ teuer sei. Ein Ausweichen auf andere Rohstoffe werde dadurch fast unmöglich gemacht.

Weil die Gefahr für viele Betriebe auch außerhalb der Textilindustrie existenziell werden könne, betreibe man intensive Lobbyarbeit, um Verbündete ins Boot zu holen. So seien die Verbände Euratex und der BDI einbezogen worden, um die Problematik gemeinsam der EU-Kommission nahe zu bringen.

„Die EU-Stoffpolitik gefährdet unsere Rohstoffversorgung“


Stefan Thumm, Umweltreferent von Südwesttextii und VTB

Auch bezüglich der Umsetzungsschwierigkeiten der neuen EU-Biozid-Verordnung werde man das Netzwerk nutzen, um die EU-Kommission zu sensibilisieren. Bereits jetzt sei wie bei den Farbstoffen ein Verschwinden von wichtigen Biozidprodukten festzustellen. Hinzu komme die nur schwer umzusetzende Kennzeichnungspflicht für Textilien. Stefan Thumm bot nochmals allen Unternehmen persönliche Beratungsgespräche an, um die individuellen Probleme herauszuarbeiten und Handlungsstrategien zu entwickeln.

Ein für anhaltende Verstimmung sorgender Dauerbrenner, das wurde auf der Vorstandssitzung deutlich, ist das von der Politik betriebene Bündnis für nachhaltige Textilien. Zwar hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller inzwischen eine Reihe von Missverständnissen und eigenen Fehlern eingeräumt, die ursächlich dafür sind, dass die Industrie dem Bündnis nicht beitritt. Jüngste Äußerungen von ihm lassen aber befürchten, dass er weniger an einer Korrektur seines Aktionsplans arbeitet als vielmehr den öffentlichen Druck auf die Industrie verstärken möchte. Die Verbände sind hier gewappnet und werden im Sinne der Unternehmen die richtige Antwort zu geben wissen.