Unternehmen machen Zukunft

Die Textilwirtschaft ist flexibel genug, um die Herausforderungen zu meistern

"Man soll die Zukunft nehmen wie sie kommt. Aber man soll die Zukunft auch so machen wie man sie möchte." Diese weise Empfehlung des Schriftstellers Curt Goetz könnte als Überschrift über der Stuttgarter Zukunftskonferenz Textil stehen. Das gelassen hinzunehmen, was nicht zu ändern ist, aber das, was wir ändern können, auch beherzt in Angriff zu nehmen – das ist die permanente Herausforderung in der Textil- und Bekleidungsindustrie.

Demografischer Wandel, Ressourcenknappheit und der Siegeszug des Internet werden die Produktions-, Arbeits- und Konsumwelt in den nächsten Jahren erheblich verändern. Für die Textilwirtschaft geht es darum, diese Entwicklung mit eigenen Ideen aktiv zu gestalten.

Dabei sind Textilien regelmäßig Treiber innovativer Entwicklungen, wie etwa das breite Spektrum an technischen Textilien eindrucksvoll beweist.

Neben innovativen Produkten entstehen in der ganzen Welt neue Märkte, auf die sich die Branche einstellen muss, bei sich permanent wandelnden Konsumgewohnheiten. Hinzu kommt, dass bis 2020 der Weltfaserbedarf gegenüber heute um ein Drittel wachsen dürfte, was zusätzlich neue Ideen fordert, um die Nachfrage befriedigen zu können. Und schließlich verlangen die massiven demografischen Verschiebungen in der Arbeitswelt nachhaltige Antworten.

Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist heute ein hochdynamischer und flexibler Wirtschaftszweig. Die hier tätigen Menschen haben gelernt, sich gut auf Veränderungen einzustellen. Doch es bedarf ständiger Innovationen und Investitionen. Denn die Zukunft ist meistens schon da, bevor wir mit ihr rechnen.

Der demografische Faktor
Die Bevölkerung in Deutschland altert zusehends. 2030 wird es doppelt so viele Menschen über 65 geben wie unter 20. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung enorm: Bereits 2020 werden nach Schätzungen der UNO an die 8 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben, in 30 bis 40 Jahren bereits 10 Milliarden. In Deutschland wird der Anteil der Erwerbsfähigen an der Gesamtbevölkerung bis 2020 auf 64 Prozent sinken. Während die Bevölkerung um ca. 1,8 Millionen zurückgehen wird, schrumpft die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter um 3 Millionen. Angesichts dieser Verschiebungen muss die Zukunft der Arbeitswelt intelligent gestaltet werden.

Die Wissenschaft ist Zukunft
Mit Forschung und Innovation kann sich die Branche das Geschäft von morgen sichern. Die alternde Gesellschaft, die gestiegene Mobilität und der schonende Umgang mit Ressourcen erfordern neue Produktlösungen in sämtlichen Lebensbereichen. Dazu gehört nachhaltiges Bauen mit Textilien ebenso wie der gezielte Einsatz von Hochleistungsfasern zur Herstellung besonders leichter oder anspruchsvoller Materialien und Textilien, die den Mobilitätsanforderungen der Zukunft gerecht werden. Wissenschaft und Forschung müssen gefördert, ihre Ergebnisse in die Praxis umgesetzt werden.

Der Konsum von morgen
Der Wandel der Wirtschaftsstandorte ruft veränderte Konsumwelten hervor. Beschaffung und vor allem Vertrieb werden sich auf neue Strukturen einstellen müssen. Das globale Dorf und die gleichzeitige Renaissance regionaler Wertschöpfungsketten erfordern Strategien, die trotz hochgradiger Internationalisierung die Kundennähe sichern. Multi-Channeling heißt ein Schlagwort der Stunde. Mit zunehmender – auch mobiler - Nutzung des Internets steigt die Bedeutung des Online-Handels. Globale Marken müssen sich auf ihre weltweiten Kunden einstellen und lokal handeln.