Update: Kompetenznetzwerk Farbstoffe

Versorgungs- und Preissituation bei den Textilfarbstoffen sehr kritisch

Nach wie vor ist die Versorgungs- und Preissituation bei den Textilfarbstoffen sehr kritisch. Auch in anderen Bereichen, wie der Lack- oder Druckfarbenindustrie ziehen die Farbstoff- bzw. Farbpigmentpreise an. So hat der weltgrößte Chemiekonzern BASF zum 1. September die Preise für diese Bereiche drastisch erhöht.

Europa ist jedoch weitestgehend von Farbstoffimporten aus Asien abhängig. Der weltweit größte Hersteller von Dispersionsfarbstoffen, ist die in China beheimatete Zhejiang Longsheng Group LTD, zu denen auch Dystar gehört, die allein 12 Mio. Tonnen Dispersionsfarbstoffe pro Jahr herstellt. Die speziellen Automobil-Dispersionsfarbstoffe sind besonders stark betroffen, da es aufgrund von Umweltauflagen in China zur Stilllegung von Produktionen kam.

Indien spielt neben China ebenfalls eine maßgebend Rolle, insbesondere bei den Reaktiv- und Küpenfarbstoffen für Baumwolle und andere cellulosische Fasern. Führende Hersteller in Indien sind u.a. die Kiri Industries LTD und Atul LTD. Nennenswerte Farbstoffproduktionen finden sich in Europa noch in Deutschland, Spanien, Italien und der Tschechischen Republik, die sich häufig auf Nischensegmente spezialisiert haben.

Verschärfen wird die Situation nun die anfallenden REACH-Registrierkosten. Die Gesamtkosten einer RAECH-Registrierung eines einzelnen Farbstoffes betragen in Durchschnitt etwa 250 bis 300 TEuro. Diese Kosten werden derzeit möglicherweise schon eingepreist. Außerdem sind in Europa viele Farbstoffvorprodukte nicht REACH-registriert. Die fortschreitende Marktkonzentration auf Anbieterseite scheint sich zu bestätigen und wird sich weiter verschärfen. Die europäischen Farbstoffhersteller bzw. -importeure haben oft weder die fachlichen Kapazitäten noch das nötige Kapital, solche Registrierungen alleine durchzuführen. Daher werden die Farbstoffe oft in REACH-Konsortien durch Registrierfirmen bei der ECHA angemeldet.

Ein Beispiel hierfür ist das Unternehmen REACH&Colours Italia in Mailand. REACH-Registrierungen werden dort vor allen für importierende Unternehmen vorgenommen. Zu den Kunden zählen hauptsächlich die großen Farbstofflieferanten in Europa im Bereich Textil, Leder und Papier.

Nach Aussagen des Unternehmens werden für Textilfarbstoffe sehr umfangreich Registrierungen vorgenommen. So sind zum Beispiel im Mengenband größer 100 Tonnen bis Ende 2013 durch REACH&Colours für ca. 30 Farbstoffe Dossiers zur Registrierung eingereicht worden. Insgesamt werden zu etwa 500 Textilfarbstoffen Dossiers erstellt und etwa 150 Dossiers sind bereits bei der ECHA eingereicht.

Es gibt tausende Farbstoffe bzw. -pigmente und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch spezielle, mengenmäßig kleine Textilfarbstoffe und -pigmente bis zum Ende der REACH-Registrierungsfrist am 1. Juni 2018 einfach wegen „Nichtregistrierung“ wegfallen. Diese Blackbox, die sicher auch in Teilen für den Bereich der optischen Aufheller vorhanden ist, gilt es nun nach Möglichkeit von allen Seiten auszuleuchten.

Nach der Auftaktveranstaltung des Kompetenznetzwerks Farbstoffe im Juli sind die Arbeiten der Verbände weitergegangen. Um Mitgliedsfirmen bei aktuellen Farbstoffengpässen weiterzuhelfen, ist die bereits bestehende Farbstoffbörse des Industrieverbands Veredlung - Garne - Gewebe - Technische Textilien (IVGT) jetzt für alle in den Textilverbänden organisierten Mitglieder zugänglich.

Farbstoffbörse des IVGT – jetzt für alle Verbandsmitglieder zugänglich
Sie bietet den Unternehmen die Möglichkeit, eine anonymisierte Suche nach einem benötigten Farbstoff durchzuführen. Die Suchanfrage wird unter den Mitgliedern gespiegelt. Um ein gutes Ergebnis zu erhalten müssen die Unternehmen den entsprechende Handelsnamen – Beispiel: Superdye Gelb 5 FGL 200 % – und die benötigte Menge in Kilogramm angeben. Nach einer Frist bekommt das Unternehmen eine qualifizierte Rückmeldung. Anfragen sind zu stellen an E-Mail: [javascript protected email address]