Verbände in der Pflicht

Lobbying wichtiger denn je - Mitgliederversammlung wählt Gremien neu

Georg Saint-Denis konnte die diesjährige Mitgliederversammlung mit einer guten Nachricht beginnen: Im Unterschied zum Bundestrend, der für die Textil- und Bekleidungsindustrie 2012 beim Umsatzwachstum ein leichtes Minus ausweise, habe Baden-Württemberg das Jahr mit einem Plus von über sechs Prozent abschließen können. Dies führte der Südwesttextil-Präsident auf die besondere Exportstärke der hiesigen Betriebe zurück. Dabei bezog er sich auf die jüngste Verbandsumfrage, wonach trotz widriger Rahmenbedingungen steigende Inlandsumsätze, Kapazitätsauslastungen und Auftragseingänge erwartet würden. Das Thema der wettbewerbsfähigen Energiekosten sieht der Verbandspräsident weiterhin als besonders dringlich an, insbesondere nachdem in den USA mit niedrigen Energiekosten die produzierende Industrie wieder zurück ins Land gelockt werde. "Der verbandlich organisierte Angriff auf die EEG-Umlage und die aktive Beteiligung der Mitgliedsfirmen ist zur Stützung des Industriestandorts dringend notwendig", betonte Saint-Denis. Gleichzeitig müssten aber auch weiterhin bessere Rahmenbedingungen gegenüber der Politik auf Landes- und Bundesebene eingefordert werden.

Mit Blick auf die zurückliegende Tarifrunde sagte der Südwesttextil- Präsident, dass die im letzten Jahr gesteckten Rahmenbedingungen für viele Betriebe eine besondere Belastung darstellten. Aufgrund der langen Laufzeit sei das Tarifergebnis aber für die meisten Betriebe verkraftbar. Entsprechend sei auch das Votum der Mitglieder ausgefallen, die dem Ergebnis mit großer Mehrheit zugestimmt hätten. Dem Verhandlungsführer Stephan Schulz sowie den Tarifkommissionsmitgliedern Henry Wurm und Volker Steidel dankte der Präsident ausdrücklich für ihren Einsatz in der Tarifrunde.

Hauptgeschäftsführer Dr. Markus H. Ostrop informierte über die personellen Veränderungen in den Verbandsgremien. Seit der letzten Wahl auf der Mitgliederversammlung 2011 seien aus dem Vorstand Dr. Candita ten Brink von der Arlen Spinnerei GmbH & Co. KG, Wulf Hermann von der Mustang GmbH und Christoph Osswald von der Coats GmbH ausgeschieden. Beim Präsidium habe es abgesehen vom Präsidentenwechsel im letzten Jahr keine Veränderungen gegeben. Neu in den Vorstand wählte die Mitgliederversammlung einstimmig Dipl.- Ing. Steffen Herrmannsdörfer von der Textilveredlung an der Wiese GmbH und Dr. Oliver Maetschke von der Ettlin Spinnerei und Weberei Produktions GmbH & Co. KG vor. Neu gewählt wurde ebenfalls das gesamte Vizepräsidium des Verbandes.

Aus Berlin angereist war der Präsident des Gesamtverbands textil+mode, Peter Schwartze, sowie die Vizepräsidentin, Ingeborg Neumann, die über Aktuelles aus der Hauptstadt berichteten. Präsident Schwartze sieht in den Herausforderungen der Globalisierung ein Kernthema des Gesamtverbandes. Die Markterschließung im Ausland durch entsprechende Büros sowie die Kooperation mit anderen Verbänden sowohl auf Europaebene (Euratex) als auch auf Länderebene (Frankreich, Spanien, Polen, zuletzt Tschechien) sei dabei besonders wichtig. Auch die Darstellung der Branche gegenüber verschiedenen Banken und der IG Metall sei ein Schwerpunkt der Arbeit. Von besonderer Wichtigkeit sei es zudem, eine alternative Finanzierung des EEG in die Länderparlamente zu tragen. Ingeborg Neumann, die erst kürzlich zur Vizepräsidentin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) gewählt wurde, betonte die Notwendigkeit, als Branche auch in anderen Dachverbänden mitgliedschaftlich vertreten zu sein. Im BDI sei es ihr nunmehr möglich, dort der Textilindustrie und dem Mittelstand größeres Gehör zu verschaffen. So sei es nach den achtziger Jahren jetzt erstmals wieder möglich, Branchenprobleme direkt mit der Kanzlerin zu besprechen.