Virtuelle Anprobe im Internet

Kundenindividuell anpassbare Avatare helfen bei der Passformkontrolle

Seit Jahren steigt die Zahl derer, die die Möglichkeit nutzen, im Internet einzukaufen, stetig an. Gemessen am Online-Umsatz steht die Textil- und Schuhbranche mit deutlichem Abstand an erster Stelle. Doch allzu oft entsprechen Größe, Farbe, Schnitt oder Passform des bestellten Kleidungsstücks nicht genau den Vorstellungen des Kunden. Diesem Problem begegnen die Versender mit großzügigen Rücksendeoptionen. Auf bis zu 80 Prozent schätzen Experten die Retourenquote, was enorme Kosten verursacht. Eine Möglichkeit, diese Kosten zu senken, könnte die "virtuelle Anprobe" im Internet sein: Kleidung im Online-Shop am eigenen virtuellen Körper anprobieren und verlässlich beurteilen.

Die Hochschule Reutlingen präsentierte auf der Messe "IMB, World of Textile Processing" in Köln einen Zwischenstand des Forschungsprojekts "SiMaKon" (Simulation von Maßbekleidung und Konfektion online zur Passformkontrolle) und somit einen Prototypen der virtuellen Anprobe im Internet. Die einzelnen Komponenten, aus welchen reale Bekleidung besteht, wie z.B. einzelne Stoffteile, werden im Rechner zu einem dreidimensionalen Kleidungsstück zusammengefügt und dem Avatar, dem virtuellen Abbild des Kunden, angezogen.
Sowohl Konfektionsware als auch Maßkonfektion wird unterstützt. Um Faltenwurf und textile Oberfläche realistisch darzustellen, werden physikalische Stoffeigenschaften, Schwerkraft und Reibung berücksichtigt. Höchste Detailtreue wird durch die Abbildung von Merkmalen wie Nahtfäden, Stoffdicke und Knöpfen gewährleistet. Die Avatare sind hinsichtlich ihrer Körpermerkmale anpassbar: Körpermasse und -form, Frisur und Hautfarbe sowie charakteristische Gesichtsformen (noch in Arbeit) lassen sich individuell einstellen. Neben einer zuverlässigen Passformkontrolle und Beurteilung der Optik der Bekleidung soll so auch sichergestellt werden, dass die Kunden sich mit ihrem virtuellen Ebenbild identifizieren.

Bis zum Projektabschluss will sich die Hochschule Fulda, die das Projekt leitet, zusammen mit Kooperationspartnern aus Forschung und Wirtschaft auf die Optimierung der Benutzerschnittstellen sowie die Erweiterung und Verbesserung der Möglichkeiten zur kundenindividuellen Anpassung der Avatare und Leistungsverbesserung der Bekleidungssimulation konzentrieren.