Virtuelle Realitäten

Fotorealistische Bilder, die am Computer erzeugt werden

Ein großer Teil der Produktfotos, die uns heute aus Anzeigen, Katalogen oder von Plakaten entgegen lachen, sind in Wirklichkeit gar keine Fotografien. Es sind fotorealistische Bilder, die am Computer erzeugt wurden. Um Fantasiegestalten handelt es sich trotzdem selten, denn erstellt werden sie meist auf Basis von Konstruktionsdaten für reale Objekte.

Längst wird die Computer Generated Imagery (CGI) nicht mehr nur in Kinofilmen oder Games eingesetzt, sondern auch in der Industrie, und zwar in der gesamten Wertschöpfungskette - vom Design übers Engineering bis hin zu Marketing und Vertrieb. 3D-Daten, die sich als Basis für derlei Visualisierungen anbieten, liegen heute für sehr viele industriell gefertigte Produkte vor. Sie entstehen nicht nur bei der Konstruktion von Autos und Maschinen, sondern zum Beispiel auch beim Design von Hosen und Sakkos.

Durch die zunehmende Digitalisierung der Entwicklungs- und Produktionsprozesse auf der Daten-Input-Seite, sinkende Kosten für Hard- und Software sowie veränderte Erwartungen auf Kundenseite werden datenbasierte Visualisierungen nun auch für Vertriebs- und Marketingabteilungen jenseits von Technologiekonzernen immer attraktiver. Zudem profitiert die Disziplin von der Leistungssteigerung der Hardware, die nicht zuletzt durch die Anforderungen der Gaming-Industrie vorangetrieben wird.

Die Vorteile der "virtuellen Fotografie" liegen auf der Hand. Unternehmen können viel früher im Entwicklungsprozess beginnen, an Werbemotiven zu arbeiten, können Produkte darstellen, die es noch gar nicht gibt. Auch lässt sich ein digitales Objekt mühelos in verschiedenen Szenerien platzieren, ob in der Wüste von Australien oder auf einer Klippe an der Nordsee. Höchst praktisch ist diese Variabilität fürs Customizing, die Vermarktung von Produkten, die der Kunde seinen Vorlieben anpassen kann - sei es im technischen Vertrieb oder beim Verkauf von Designprodukten.

So hat beispielsweise ein junges Stuttgarter Softwarehaus jetzt Lösungen zur Bildproduktion mit virtuellen Models und Outfits vorgestellt. Da die Bildproduktion im Modebereich aufgrund schneller und schneller wechselnder Sortimente immer aufwändiger und kostenintensiver wird, hat das Unternehmen unter Verwendung moderner HTML5-Technologie ein solches Tool entwickelt. Models werden nur noch einmalig fotografiert, die Produkte ebenso. Dabei ist die Anzahl an Produkten, Models und auch Hintergründen keiner Beschränkung unterlegen. Der Reiz der Software liegt darin, dass die Kleidungsstücke am Model virtuell kombiniert werden. In einer einfach zu bedienenden Oberfläche können die Outfits beliebig zusammen gestellt, das Model gewechselt, Hintergründe getauscht und die Ergebnisse in hochauflösender Bildqualität exportiert werden. Dazu sind neben gutem Geschmack keinerlei Kenntnisse wie etwa Fotografie- oder Technologie-Knowhow nötig.

Beim Netzwerk für Virtual Engineering (VDC) hat sich eine Gruppe gebildet, die sich mit virtuellen Techniken in textilen Anwendungen befasst unter anderem auch mit CGI. Es ist ein Whitepaper mit den Anwendungsfeldern und Chancen entstanden, welches im Mitgliederbereich heruntergeladen werden kann.