Von Innovationen inspiriert

Personalleiter zu Besuch bei der Festo AG

Zum Jahresende trafen sich auf Einladung von Südwesttextil die Personalleiter der Mitgliedsfirmen zum Austausch über aktuelle Rechtsprechung, Gesetzgebung und andere Themen der Personalarbeit. Gastgeber der Veranstaltung war die Festo in Esslingen, Weltmarktführer in der Automatisierungstechnik.
Bereits die Anfahrt zum Festo Headquarter in Esslingen-Berkheim ließ die Innovationsfreudigkeit der Firma erahnen. Die Sonneneinstrahlung auf die moderne riesige Glasfassade des Technical Engineering Centers wird durch ein davor aufgebautes Großsegel reguliert. Für die Teilnehmer völlig überraschend zieht sich die bis dahin nicht weiter auffallende, im typischen Festoblau gehaltene Einfahrtsschranke plötzlich pneumatisch zurück wie eine Luftschlange, der man die Luft raus lässt.

Der Leiter Human Resources Management Plant Berkheim, Marc Kimmerle, erläuterte den beeindruckten Personalleitern kurze Zeit später, worauf diese Innovationen und weitere ca. 100 Patentanmeldungen pro Jahr zurückzuführen sind: Etwa 7,5 Prozent des Umsatzes fließen zurück in die Forschung und Entwicklung, 1,5 Prozent in die Aus- und Weiterbildung. Gegen den Trend baut die Festo AG auch weiter Beschäftigung auf, Kurzarbeit oder gar betriebsbedingte Kündigungen sind in der Vergangenheit am Standort Esslingen-Berkheim nicht notwendig gewesen.

Im sich anschließenden Arbeitskreis wurden die Personalleiter über den aktuellen Stand der ERA-Vorbereitung in der Textil- und Bekleidungsindustrie informiert. Im Rahmen neu ergangener höchstrichterlicher Rechtsprechung setzten sich die Teilnehmer zum einen mit einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts zur doppelten Schriftformklausel in Arbeitsverträgen auseinander. Hier bestand allerdings Einigkeit, dass grundsätzlich Schriftformklauseln in Arbeitsverträgen nachteilig für die Vertragsseite sind, die Vertragsbedingungen ändern will. Da dies in den überwiegenden Fällen der Arbeitgeber ist, sollte prinzipiell von einer Verwendung solcher Klauseln Abstand genommen werden. Begrüßt wurde dagegen ein Urteil des Bundessozialgerichts zur unwiderruflichen Freistellung. Der von den Sozialversicherungsträgern seit ihrem Besprechungsergebnis im Jahre 2005 überraschend vertretenen Auffassung, dass einvernehmliche unwiderrufliche Freistellungen von Arbeitnehmern das sozialversicherungsrechtliche Beschäftigungsverhältnis noch vor dem arbeitsrechtlichen Ende beenden, wurde eine deutliche Absage erklärt. Die Auswirkungen auf entsprechende vertragliche Regelungen wurden auch noch einmal vor dem Hintergrund von zu erledigenden Urlaubsansprüchen und Zeitguthaben sowie Anrechnungsmöglichkeiten anderweitigen Erwerbs und dem Ausschluss von Wettbewerb in der Freistellungsphase besprochen.
Auch wurden die Personalleiter über das ab dem nächsten Jahr voraussichtlich in Kraft tretende neue "Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen und zur Änderung anderer Gesetze" informiert. Das Gesetz regelt insbesondere die Verwendung und Führung von Wertguthaben bei Langzeitkonten sowie die entsprechende Insolvenzsicherung und Portabilität.
Einzelprobleme bei der Erstellung von Arbeitszeugnissen wurden vor dem Hintergrund leidiger Zeugnisberichtigungsverfahren besprochen. Die Tendenz der Rechtsprechung, bestimmte Inhalte eines Zeugnisses als üblich zu bewerten und dem Arbeitnehmer einen entsprechenden Anspruch einzuräumen, wurde als kritisch beurteilt. Weitere Themen waren auch die neuen Bescheide der BG Elektro Textil Feinmechanik zur Veranlagung nach den neuen Gefahrtarifen, der Austausch über Probleme mit dem neuen Pflegezeitgesetz sowie die Vorstellung von Änderungen im internen Mitgliederbereich des Internetauftritts von Südwesttextil.

Abschließend konnten die Personalleiter im Rahmen einer eigens organisierten Führung das Technical Engineering Center der Festo AG von Innen besichtigen und in die Produktion reinschauen. Neben der weltweit genauesten astronomischen Uhr, dem Astrolabirum, erweckte auch der "Airacuda", ein bereits 2006 entwickelter ferngesteuerter, pneumatisch angetriebener Fisch, welcher in Konstruktion, Form und Kinematik seinem biologischen Vorbild in nichts nachsteht, die besondere Aufmerksamkeit. Da die s-förmige Bewegung der Schwanzflosse über Druckluft betrieben wird, erheben sich beim Einsatz im Wasser aus dem Fischmaul sogar kleine Luftblasen. Ein durch die zahlreichen innovativen und visionären Projekte der Festo AG inspirierender Nachmittag für alle Teilnehmer.

Das Protokoll und die Präsentationsunterlagen können im Mitgliederbereich unter "Downloadpool - Personalleiterkreis" heruntergeladen werden.