Von Mon Cheri bis Rauchvergiftung

Die Vortragsveranstaltung in der Gatex widmete sich brisanten Themen

Rudolf Schilk , Pulcra Chemicals
Foto: Rudolf Schilk , Pulcra Chemicals

Ende April veranstaltete der Förderverein der Gatex und der Verein Deutscher Textilfachleute VDTF Regionalgruppe Südbaden einen Vortragsabend und rund 40 Gäste folgten der Einladung.

Stefan Thumm, Referent Technik, Umwelt & Innovation bei Südwesttextil, präsentierte den Zuhörern in seinem Vortrag das Wesen des EU-Chemikalienrechts und die Zukunft der Fluorchemie für Textilien. „Das EU-Chemikalienrecht und ein Mon Cheri passen bald nicht mehr zusammen“, erklärte der Dipl. Ingenieur (FH) für Textilchemie und Textilveredlung mit einem Augenzwinkern. Sollte nach Reach CLP der Inhaltsstoff Ethanol als krebserregend eingestuft werden, hätte dies weitreichende Folgen auch für den Verbraucher. Mon Cheri habe in diesem Falle aber Glück und käme um eine dauerhafte Sommerpause herum, denn bei Lebensmitteln greife das Chemikalienrecht nicht, bei Fensterreinigern hingegen schon. Nicht nur die Textilindustrie sondern auch viele industriell verarbeitete Räucherwaren, Hackschnitzelheizungen sowie Biogasanlagen seien nach Chemikalienrecht von der Formaldehyd-Problematik betroffen. Die Fluorchemie stehe in Europa wegen des ECHA PFOA Restriction Dossiers stark unter Beschuss, zudem seien fluorfreie Alternativprodukte für technische Textilien meist ungeeignet.

Von Flammschutzmittel im Einsatz auf textilen Flächen berichtete Rudolf Schilk, Leiter Coating bei der Pulcra Chemicals in Geretsried. Jedes Jahr würden bis zu 600 Menschen durch Brände sterben und ca. 6 000 Personen verletzten sich. Bei ungefähr 95 Prozent der Todesfälle sei die Todesursache Rauchvergiftung. Jährlich würden durch Brände Sachschäden in Höhe von ca. 4 Milliarden Euro entstehen. Deshalb sei der Flammschutz ein bedeutendes Thema. „Jedes Fasermaterial hat ein spezifisches Brandverhalten und benötigt dementsprechend spezielle Flammschutzmittel“, erklärte der Spezialist. Bei der Entwicklung von Flammschutzmitteln bediene man sich deshalb synergistischer Effekte indem man verschieden wirkende Einzelsubstanzen so kombiniere, dass ein möglichst großer Anwendungsbereich abgedeckt werden könne. Dadurch sei es möglich, auch die meisten Fasermischungen wirksam mit Flammschutz auszurüsten. Beim anschließenden Imbiss nutzten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich in persönlichen Gesprächen auszutauschen.