Vorstand will den roten Faden weiterspinnen

Süddeutschland soll Motor für textile Innovationen sein

Selten ist der Weg zu einer Verbandsveranstaltung so erhebend: Vom Eingang in den klassizistischen Bau der Alten Staatsgalerie Stuttgart führt der Weg zunächst in den prächtigen Säulensaal, ein beeindruckender Raum mit zwei mächtigen Reihen von Marmorsäulen. Die großzügige Weite des musealen Prunksaals aus dem 19. Jahrhundert scheint sich merklich auf die Gemütslage der Besucher zu übertragen. So folgt im benachbarten, ebenso prunkvoll ausgestatteten Apsidensaal eine Vorstandssitzung, in der weit über das verbandliche Tagesgeschäft hinaus gedacht und entschieden wird. Die Stuttgarter Staatsgalerie versteht sich als Stätte ästhetischer Erfahrung, als Forum für Kommunikation und Gedankenaustausch. An diesem Tag wird sie ihrem Selbstverständnis in jeder Hinsicht gerecht. http://www.hallo-stuttgart.de

Denn die Vorstandsmitglieder von Südwesttextil widmen sich intensiv mehreren interessanten Zukunftsprojekten. Auch wenn Details erst noch mit unmittelbar Betroffenen abgestimmt werden müssen und deshalb hier nicht zu verkünden sind, lässt sich die Richtung klar benennen: "Wir wollen Süddeutschland als Motor für textile Innovationen etablieren", wie es ein Teilnehmer ausdrückt.

Dazu gehören die Bereiche der einschlägigen Wissenschaft und Bildung ebenso wie die intensivere Vernetzung innovativer textiler Ideen mit neuen Partnern. Aber auch die Bewahrung von Wissenswertem durch eine zeitgemäße Beziehungspflege zu älteren Knowhow-Trägern ist Bestandteil dieses Gesamtkonzepts, das der Südwesttextil-Vorstand nicht nur ideell, sondern auch finanziell tatkräftig befördern will.

Die Ideen über die zuvor diskutierten textilen Innovationen konnten in dem sich anschließenden Ausstellungsbesuch von Kunst & Textil weitergesponnen werden. Denn - darauf machte die durch die von Südwesttextil unterstützte Sonderschau lebendig und sachkundig führende Kunsthistorikerin aufmerksam - das Textile habe der Menschheit seit jeher reichliche Impulse geliefert. Das beginne bereits bei der Sprache, die voller Bilder von einer der urältesten menschlichen Kulturtechniken sei. Beim Gespräch "den Faden nicht verlieren", einen "Gedanken weiterspinnen" oder sich "in Argumenten verstricken" sind solche Beispiele. Viele Worte beschreiben Prozesse bei der Herstellung von Textilien. Gebräuchlich sind sie jedoch heute überwiegend im übertragenen Sinne. So denkt kaum jemand bei "Internet" noch an ein Netz aus locker verknüpften Garnen.

Den roten Faden, das zeigte dieser Verbandstag, will Südwesttextil denn auch nicht nur nicht verlieren, sondern ihn tatkräftig weiterspinnen.