Vorteil Fachkraft

IG Metall und Gatex bekräftigen Notwendigkeit von Qualifizierung

Die gemeinsame Sorge um die Sicherung des textilen Nachwuchses stand im Vordergrund eines Meinungsaustauschs zwischen der IG Metall-Spitze und der Gemeinschaftsausbildungsstätte Gatex Anfang November in Bad Säckingen. Unter Leitung von Dr. Regina Görner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall für den Bereich Bildungs- und Qualifizierungspolitik, diskutierte eine Delegation der Gewerkschaft mit Vertretern der Gatex und des Airbagherstellers Global Safety Textiles (GST).

Dabei wurde deutlich, dass die Verdichtung der Arbeit höhere Anforderungen an das Qualifikationsniveau der Mitarbeiter stellt, als dies noch vor Jahren der Fall war. Nicht zuletzt deshalb sollten Unternehmen die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter als eine wichtige Führungsaufgabe ansehen, so ein Fazit der Diskussion.

Dass die Gatex hierbei eine wichtige Schlüsselrolle spielt, konnte den Gewerkschaftern bei der gemeinsamen Besichtigung des Technikums eindrucksvoll verdeutlicht werden. Von der Faser bis zum Tuch werden hier die Auszubildenden überbetrieblich und fundiert mit den textilen Grundlagen und Fertigungsverfahren vertraut gemacht.

Dieses umfassende Grundwissen nutzen Unternehmen wie die GST gerne als Basis für ihre eigenen betrieblichen Weiterbildungen. "Unser Wettbewerbsvorteil ist die Fachkraft", zeigte sich GST-Geschäftsführer Uwe Zimmermann überzeugt. Derzeit bildet sein Unternehmen 25 Mitarbeiter in der Gatex zum Maschinen- und Anlagenführer aus. Fünf weitere Mitarbeiter besuchen den Meisterkurs in der Gatex. Nicht ohne Stolz verweist Zimmermann auf die hohe Ausbildungsquote von sechs Prozent.

Eine besondere Herausforderung sieht IG Metallvorstand Regina Görner in der Herstellung der Ausbildungsreife vieler Jugendlicher. Die Zahl nicht ausbildungsfähiger Jungen und Mädchen werde nicht kleiner. Deshalb müssten sie zunächst an einen Beruf herangeführt werden. "Hier brauchen wir noch mehr Ideen und vernünftige Modelle, um die Defizite vor der Ausbildung abbauen zu helfen", meinte die Bildungsexpertin in der Frankfurter Gewerkschaftszentrale.

Sowohl auf Seiten der IG Metall als auch auf der der Gatex bestand Einigkeit darüber, dass die Zukunft der dualen Berufsbildung maßgeblich von der Qualität der Berufsschulen abhänge. Bei allem Bemühen der verantwortlichen Lehrkräfte fehle es häufig an ausreichend Deputaten und finanzieller Ausstattung. Deshalb sei vor allem die Politik gefordert, die Schulen stärker zu unterstützen.

Frau Dr. Görner stellte in Frage, ob die Ausbildungsberufe in der Textilindustrie noch passend seien. Gegebenenfalls könne man mit der IG Metall auch über eine Neuordnung sprechen. So könne sie sich vorstellen, etwa die Ausbildungsberufe Produktionsmechaniker und Produktveredler zusammenzufassen. Von den Ausbildungsexperten der Gatex und von GST wurde ein aktueller Handlungsbedarf aber verneint.

Nach der intensiven Diskussion und der Besichtigung der Gatex schloss sich ein Besuch in der Airbagproduktion von GST an. Auch davon zeigte sich die IG Metall-Delegation sehr beeindruckt.