Was Hänschen nicht lernt

Berliner Bildungsgipfel unter Leitung von Carl F. Moll

"Wir müssen verhindern, dass das Thema Bildung während der immer weiter um sich greifenden Wirtschafts- und Finanzkrise in den Hintergrund gerät". Mit diesem Appell eröffnet Südwesttextil-Präsident Carl F. Moll am 3. Dezember den Bildungsgipfel des Gesamtverbands textil+mode in Berlin. Als dessen Vizepräsident hat Moll die Aufgabe übernommen, das Bildungsthema beim Gesamtverband voranzutreiben. Auf seine Einladung trafen sich deshalb die Bildungsverantwortlichen aus Unternehmen, Hochschulen, Schulen und Verbänden, um sich über die wichtigsten aktuellen Themen im Bildungsbereich auszutauschen. Dabei bezeichnete Moll die Bildungspolitik als einen der wichtigsten "Brennpunkte, der sich so schnell nicht löschen" lasse. Er sprach sich dafür aus, alle jetzt geplanten Konjunkturprogramme mit dem Ziel einer nachhaltigen Wachstumshilfe aufzulegen. "Und dazu gehören zu einem ganz wesentlichen Teil auch notwendige Investitionen in die Bildung", so Moll.

Mittelpunkt der Veranstaltung war der Vortrag von Tanja Nackmayr, stellvertretende Abteilungsleiterin des Referats Bildung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Sie stellte die Forderungen der Arbeitgeber an eine zukunftsorientierte Bildungspolitik vor. Mit der Bundeskanzlerin teile die BDA die Meinung, dass Deutschland eine Bildungsrepublik werden müsse. Bildung sei die Grundlage für die Zukunft des Landes. Nur eine umfassende Bildung von Persönlichkeit und Berufsfähigkeit ermögliche wirkliche Teilhabe der Menschen an der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung. Mit gut qualifizierten Menschen könnten neue Ideen entwickelt und hochwertige Produkte und Dienstleistungen angeboten werden, die die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Standortes Deutschland sicherten.
"Bildungspolitik ist auch die wirksamste und nachhaltigste Sozialpolitik", meinte Frau Nackmayr. Aktuell verlassen acht Prozent der Schulabgänger die Schule ohne Abschluss, 20 Prozent sind laut PISA nicht ausbildungsreif und 16 Prozent der 20- bis 29-Jährigen haben keinen Berufsabschluss. Hinzu kommen ein aktueller Fachkräfteengpass und die rückläufige demographische Entwicklung. Dies bedeutet z.B. für den Osten Deutschlands zwischen 2003 und 2011 eine Halbierung der Schulabgängerzahl.

Vor diesem Hintergrund hat die BDA konkrete Ziele bis 2015 formuliert. In jeder Kindertagesstätte bzw. in jedem Kindergarten soll mindestens eine Fachkraft so qualifiziert sein, dass sie naturwissenschaftliche Phänomene erklären kann. Der Anteil der Schulabbrecher ist zu halbieren, dasselbe gilt für den Anteil der nicht ausbildungsreifen Schulabgänger, sowie für jungen Menschen, die ohne Ausbildungsabschluss bleiben. Außerdem soll der Anteil beruflich Qualifizierter ohne Abitur, die ein Studium beginnen, von heute einem Prozent auf fünf Prozent der Studienanfänger gesteigert werden. Ein weiteres Ziel bis 2015 ist die Erhöhung des Anteils der Hochschulabsolventen in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) von heute 31 auf 40 Prozent.

Hinter diesen konkreten Vorgaben stehen übergeordnete Ziele, die in die deutsche Bildungspolitik Einzug halten sollen. Schulen und Hochschulen sollen mehr Selbstständigkeit erhalten, sowohl in Finanz-, Verwaltungs- als auch in Personalfragen. Diese Selbstständigkeit führe zwangsläufig zu mehr Wettbewerb und dies garantiere eine höhere Qualität der Bildung, so die BDA-Expertin. Eine weitere zielt darauf, die sogenannte "demographische Rendite" im Bildungsbereich zu belassen. Man geht davon aus, dass durch die rückläufige Schülerzahl nach 2012 pro Jahr acht bis zehn Mrd. Euro weniger für Bildung ausgegeben werden müssten. Diese Mittel sollen nicht aus dem Bildungsbereich abgezogen werden, sondern zur Qualitätsverbesserungen wie kleinere Klassen, Ausbau von Ganztagsangeboten, modernere Ausstattung von Schulen und anderem genutzt werden.

Desweiteren soll die Durchlässigkeit im Bildungssystem weiter erhöht werden. Unter dem Schlagwort "Anschlüsse nach Abschlüssen" müsse der Hochschulzugang für Absolventen der beruflichen Ausbildung einfacher werden. Außerdem, so die Vorstellungen der BDA, sollte eine Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen auf ein Hochschulstudium erfolgen.
Im Bereich der Aus- und Weiterbildung setzt sich die BDA dafür ein Ausbildungsberufe zu modernisieren bzw. neu zu schaffen. Wo es möglich ist sollen Ausbildungsbausteine eine ortsnahe Ausbildung fördern, dabei darf allerdings die Ausbildung von Berufsgruppen nicht aufgegeben werden. Außerdem sind mehr modular aufgebaute und zertifizierte, praxisnahe Qualifizierungsangebote für Leistungsschwache zu schaffen.

Die gemeinsamen bildungspolitischen Forderungen von BDA und BDI sind in zwei Broschüren zusammengefasst, die als pdf-Datei unter "Weitere Infos" abgerufen werden können.