Wie macht's der Nachbar?

Gesamtverband textil+mode organisiert Bildungsreise nach Helsinki

Das Interesse an der dualen Berufsausbildung "Made in Germany" ist weltweit riesengroß. Dennoch ist ein Blick über den deutschen Tellerrand immer wichtig. Um einen Eindruck zu bekommen, wie unser europäischer Nachbar Finnland sein berufliches Bildungssystem im Bereich Textil und Bekleidung ausrichtet, organisierte der Gesamtverband textil+mode Anfang September eine Bildungsreise nach Helsinki.

Auf dem Programm in der finnischen Hauptstadt standen zahlreiche Besuche von Institutionen der beruflichen Bildung. Vom Textilunterricht in der Grundschule, der Fachhoch- und Berufsschule, über die Lehrerbildung und die Besichtigung eines Forschungsinstituts sowie des Textilunternehmens Marrimeko - alles wurde unter die Lupe genommen. Grundlegende Informationen zum finnischen Bildungssystem erfuhren die Teilnehmer vom Bildungsministerium und vom Textil- und Bekleidungsverband Finatex.

Nach dem "Grundbildenden Unterricht" - die Schüler werden mit 7 Jahren eingeschult und verlassen diese Schule mit 16 Jahren - können sich die Schüler entscheiden, ob sie das Gymnasium besuchen oder diese Qualifikation über die berufliche Bildung erwerben. Der Grundbildende Unterricht entspricht in etwa einer Gesamtschule in Deutschland. Die Berufsbildung teilt sich in die berufliche Grund- und Zusatzausbildung auf. Ihre Zielgruppe sind Jugendliche im Übergang zum Berufsleben, Erwachsene im Beruf und Erwachsene, die aus irgendeinem Grund außerhalb des Berufslebens stehen. Wer einen Ausbildungsplatz wünscht und eine Prüfung ablegen möchte, kann sich für jede Berufsausbildung im ganzen Land frei bewerben.

Die Bewerbung zur beruflichen Grundbildung erfolgt über ein zentrales Vergabeverfahren. Zugangsvoraussetzung zur beruflichen Grundausbildung ist der erfolgreiche Abschluss des grundbildenden Unterrichts. In Finnland basiert die berufliche Bildung weitgehend auf einem System kompetenzbasierter Prüfung, d. h., dass das Fachkönnen einer Person unabhängig von der Erwerbsart (Berufserfahrung, Ausbildung oder anderweitigem Erwerb) anerkannt werden kann. Wer sich zu einer kompetenzbasierten Prüfung meldet, nimmt oft gleichzeitig an einer vorbereitenden Ausbildung teil, die das notwendige Fachkönnen vermittelt. Wer bereits über ausreichendes Fachkönnen verfügt, kann die kompetenzbasierte Prüfung oder einen Teil davon ohne vorbereitende Ausbildung ablegen. Die Teilnahme an einer Ausbildung ist nicht Vorbedingung für das Ablegen einer kompetenzbasierten Prüfung. Durch die Festlegung auf Kompetenzen in der beruflichen Bildung gestaltet sich der Unterricht von Schule zur Schule sehr unterschiedlich. Der Unterricht wird durch Betriebspraktika ergänzt.

An der Erstellung der Curricula für die einzelnen Ausbildungsberufe sind in Finnland das Bildungsministerium, Vertreter der Wirtschaft sowie Bildungsträger und Lehrer beteiligt.

Die Attraktivität der beruflichen Grundausbildung hat seit 2000 stetig zugenommen. Immer mehr Menschen bewerben sich vorrangig um einen Platz in der beruflichen Grundausbildung.