Wiederbelebt – vom Stoff zur Kollektion 100% Made in Stuttgart

Die Gründer des Upcyclinglabels im Porträt über die Gründung, das Konzept und das Thema Nachhaltigkeit.

Wiederbelebt Laden

Wiederbelebt – das klingt spannend! Wer seid ihr und was ist euer Konzept?

Wir sind Sarah Kürten und Oguzhan Deniz und haben Ende 2015 zusammen das Modelabel Wiederbelebt gegründet. Die Idee hinter Wiederbelebt ist, dass wir aus Überschüssen der Industrie unsere Kollektionen fertigen. Sprich wir kaufen Restposten oder Überschussware auf die nicht mehr gebraucht wird und die zum größten Teil weggeschmissen oder auch verbrannt wird. Das sind Stoffe, Knöpfe, Reißverschlüsse – also alles was wir an Materialien für unsere Kollektionen benötigen. Das Thema Nachhaltigkeit war uns hierbei schon von Beginn an ganz wichtig. Wir finden, dass nichts nachhaltiger ist als aus „Abfall“ Mode zu machen und ihn so quasi wiederzubeleben! Dadurch nehmen wir quasi gar keine Ressourcen in Anspruch und nutzen eben nur das was uns zur Verfügung steht.

Warum habt ihr denn euer eigenes Modelabel gegründet?

Als wir zusammen unser Modedesignstudium in Albstadt begonnen haben war uns schon klar, dass wir irgendwann mal ein eigenes Modelabel gründen wollten. Wir haben einfach die Leidenschaft für unser eigenes Design und wollten schon immer unsere eigene Mode machen. Wir haben beide lange in der Industrie gearbeitet und wollten einfach die Missstände der Industrie, dieses Schnelllebige, dieses Ausnutzen von Arbeitskräften und alles was da noch dranhängt nicht mehr unterstützen. Daher wollten wir es besser machen und ein eigenes und eben vor allem ein nachhaltiges und faires Modelabel gründen.

Wie habt ihr dann angefangen?

Wir haben beide noch ein Studium oben drauf gesetzt. Oguzhan hat Textiltechnologie in Reutlingen studiert und Sarah Modemanagement in Hamburg. Sie hat damals gerade ihre Bachelorarbeit geschrieben, in der es um das Thema Upcycling ging und daraus ist dann Wiederbelebt entstanden. Wir haben dann so Start-up typisch in einem Keller angefangen und haben dort unsere Kollektionen entwickelt und alles soweit vorbereitet, sodass wir dann im Dezember 2015 starten konnten. Wir haben einen kleinen Laden am Leonhardsplatz in Stuttgart angemietet und haben begonnen unsere Kollektion zu verkaufen.

Sarah und Oguzhan

Wie entstehen eure Produkte?

Unsere Produktentwicklung ist anders als bei vielen anderen Unternehmen. Wir haben zuerst den Stoff, sprich wir gehen in die Stofflager suchen uns die Stoffe aus, die wir für unsere Kollektion verwenden. Die Designs basieren dann auf den Stoffen und nichts andersherum. Das heißt wir müssen dann erstmal gucken wie viel Stoff wir überhaupt haben und welche Knöpfe oder Reißverschlüsse wir haben. Deshalb sind die Teile oft individuell, weil dann mal ein anderer Reißverschluss oder ein anderer Knopf verwendet wird. Unser Design ist dabei eher minimalistisch, denn uns ist auch wichtig, dass unsere Kollektionen trendübergreifend und zeitlos sind. Zudem verwenden wir skandinavisch angehauchte Schnitte und wählen eher klassische Farben und nicht bunte Muster oder ähnliches. Nachhaltigkeit hat für uns auch den Vorteil, dass man die Sachen lange tragen kann, aber es ist auch so, dass die Produkte immer schöne Details haben, die vielleicht nicht immer gleich zu sehen sind. So ist jedes Teil von uns etwas Besonderes!

Wo werden eure besonderen Produkte denn produziert?

Wir produzieren direkt bei uns im Laden – unsere Kollektion ist also 100% Made in Stuttgart! Allerdings gibt es von jedem Teil nur 50 Stück, da es uns wichtig ist, dass es eine Limitierung gibt. So wollen wir die Wertigkeit von Kleidung wiederherstellen, indem es unsere Kollektion eben nicht in Massen von der Stange gibt. Die Menschen, die bei uns kaufen sind auch oft sehr stolz darauf, weil wir ins Etikett schreiben, welche Zahl von 50 derjenige gekauft hat.

Warum genau 50 Stück?

Die Zahl ist eigentlich so entstanden, dass wir das kalkuliert haben und ab den 50 Teilen lohnt sich die Produktion für uns. So können wir die Preise auch so halten, wie wir es anbieten und dabei wirtschaftlich bleiben. Bei 50 Teilen ist es aber auch oft so, dass es innerhalb dieser 50 Teile noch bis zu fünf verschiedene Farben und Muster gibt und natürlich die verschiedenen Größen. Denn die Reststoffe reichen auch nicht immer für 50 Teile. Diese „Limited Edition“ ist für uns einfach wichtig, damit unsere Kunden etwas Besonderes und Individuelles bekommen.

Wo kann man euch finden?

Zu Beginn hatten wir einen 80 Quadrameter Laden am Leonhardsplatz – relativ klein und auch relativ versteckt. Wir hatten dann das Glück, dass wir Anfang des Jahres hier in einen großen Laden umziehen konnten. Jetzt sind wir in der Esslinger Straße 14 – mitten in Stuttgart – direkt gegenüber vom Breuninger Parkhaus, wo wir auch einfach viel mehr Kundschaft haben. Hier freuen wir uns einfach, dass der Laden ein riesiges Schaufenster hat und das Ganze auch besser angenommen wird. Hier sind wir auch als Gründer von Montag bis Samstag zu den normalen Öffnungszeiten zu finden.

Was war euer Highlight in diesem Jahr?

In diesem Jahr ist viel passiert: Wir haben viel an unseren Kollektionen gearbeitet und auch tolle Aktionen gemacht, wie die Vergabe des Stuttgarter Fashion Awards. Unser Highlight in diesem Jahr war aber wahrscheinlich die Anmietung von unserem neuen Laden verbunden mit unserer Eröffnung hier. Die neue Räumlichkeit, die Entwicklung eines ganz neuen Ladenkonzepts und hier in diesem schönen Store zu verkaufen – das ist einfach toll. Großartig an unserem Laden ist auch, dass man bei uns durch ein großes Fenster direkt in die Produktionsstätte schauen kann. So kann jeder zuschauen wie unsere Produkte entstehen, weil wir eben direkt hier eine offene Produktionsstätte haben. Hier entsteht das Design, dort entstehen die Schnitte und auf der anderen Seite wird fleißig genäht. Sprich von A bis Z kann der Kunde genau sehen wie sein Teil entsteht.

Was sind eure Pläne für das Jahr 2019?

Für das neue Jahr ist uns wichtig, dass wir weiterhin unseren Umsatz und Gewinn so steigern wie wir es jetzt gemacht haben und dass wir angenommen werden mit dem Konzept. Es ist toll zu merken, dass die Leute verstehen was wir machen und dass unser Konzept fair und nachhaltig ist. Wir hoffen, dass wir im neuen Jahr mehr Mitarbeiter einstellen können, damit wir auch noch mehr machen können. Wir machen alles nach wie vor selbst und für manche Aktivitäten haben wir einfach nicht die Kapazität. Für die Zukunft wünschen wir uns auf jeden Fall auch, dass wir davon leben können, es uns gut geht und dass Wiederbelebt auch so angenommen wird.