"Wir brauchen Fachkräfte"

Zukunft der textilen Ausbildungsberufe

Die Diskussion um die Zukunft der textilen Ausbildungsberufe ist durch die demografische Entwicklung erneut entfacht. Auf Bundesebene wird deshalb über eine Neuordnung der Ausbildungsberufe nachgedacht. Dabei wird die Zusammenfassung zu einem Ausbildungsberuf wie in der Schweiz erwogen.

Anfang Juli diskutierten Unternehmensvertreter auf Einladung von Südwesttextil über das Thema und legten ihre Sichtweise dar.

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Unternehmen Fachleute und keine Generalisten wünschen. Vor diesem Hintergrund ist eine noch weitere Verengung auf einen Ausbildungsberuf nicht voranzutreiben. Die Beibehaltung der dreijährigen Ausbildungsberufe mit ihrer fachlichen Trennung wird von den Unternehmen befürwortet.

Kritik wird an der durch die Neuordnung vollzogenen Abschaffung der Stufenausbildung geübt. Die Ausbildung nach dem Grundsatz einer zweijährigen Grundausbildung mit ersten fachlichen Einheiten und einer anschließenden einjährigen Vertiefung entspricht nach Ansicht der Unternehmen mehr einer flexibel gestaltbaren Ausbildung als die heutige Einteilung in zweijährige und dreijährige Ausbildungsberufe. Der modulare Aufbau kommt außerdem dem Grundgedanken der Durchlässigkeit von Bildung stärker entgegen.

Die Unternehmen sprechen sich in diesem Zusammenhang dafür aus, auch die Weiterbildungskarrieren der Jugendlichen, welche in die Ausbildung gehen, im Auge zu behalten. Diese Forderung impliziert, dass nicht nur die textilen Ausbildungsberufe gesichert werden müssen, sondern auch die Weiterbildungsmöglichkeiten. Explizit angesprochen wird die Technikerweiterbildung. Die offene Formulierung der Lernfelder, um so den Rahmenlehrplan flexibler zu gestalten, erweist sich nach Ansicht der Unternehmen als weiterer Mehraufwand bei der Ausbildungsgestaltung. Für die inhaltliche Abgrenzung ist ein hohes Maß an Absprachen der an der Ausbildung beteiligten Akteure wie Unternehmen, Berufsschule und weiterer Institutionen erforderlich.

Erfolgen diese Absprachen nicht oder nicht in ausreichendem Maße, kommt es zu unterschiedlicher Auslegung von Inhalt und Quantität einzelner Bereiche, wie in der Diskussion am Beispiel der Mechanik deutlich würde.

Unter der Moderation der IHK Hochrhein-Bodensee wurde in einem aufwendigen Prozess die inhaltliche Konkretisierung der Rahmenlehrpläne vorgenommen und ein Qualitätshandbuch entwickelt, welches als Grundlage für die stetige, dynamische und inhaltliche Weiterführung der Ausbildungsberufe benutzt werden soll.

Vor diesem Hintergrund scheint die Frage der inhaltlichen Nachbesserungen der Rahmenlehrpläne des Produktionsmechanikers Textil und des Produktveredlers Textil vielen Unternehmen als gegeben, auch wenn sie die beiden Berufe an sich als gut bewerten.