"Wir brauchen mehr Europa"

Parlamentarischer Abend im Zeichen der Energiepolitik

Am 13. März kamen auf Einladung des Gesamtverbandes textil+mode EU-Abgeordnete und Vertreter der Branche zum alljährlichen Parlamentariergespräch in Straßburg zusammen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die europäische Energiepolitik und die zunehmende Bürokratie in Europa unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes.

Mit Blick auf die verfahrene Situation in der deutschen Energiepolitik forderte Peter Schwartze, Präsident von textil+mode, die Europäisierung der Energiewende. "Die EU hat sich zwar mit ihrem Klima- und Energiepakt vor fünf Jahren ehrgeizige Ziele gesetzt, ein einheitliches Vorgehen ist aber nicht zu erkennen." Markus Ferber, Chef der CSU-Gruppe im europäischen Parlament, befürwortet die Idee eines europäischen Energie-Mix. Um auch in Zukunft eine sichere, nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung zu gewährleisten, müsse sowohl auf konventionelle als auch auf erneuerbare Energien gesetzt werden.

"Deutschland muss sich im Bereich der Energiebeschaffung diversifizieren, um unabhängig bleiben zu können." "Ein einfaches 'Weiter so' wäre der komplett falsche Ansatz", meint auch der CDU-Europaabgeordnete Dr. Dieter-Lebrecht Koch. Für den Parlamentarier aus Thüringen gehören auch Kernenergie oder Schiefergas zu einem nachhaltigen Mix, wenn die notwendigen umweltpolitischen Vorgaben erfüllt sind.

Neben der Energiepolitik sorgten die wiederauferstandenen Forderungen nach einer verpflichtenden "Made in"-Kennzeichnung für Diskussionsstoff . Nachdem die Zwangskennzeichnung erst kürzlich vom Brüsseler Verhandlungstisch verschwunden war, versteckt sie sich nun in einem neuen Verordnungsvorschlag zur Sicherheit von Verbraucherprodukten. "Das Herkunftsland sagt nichts über die Produktsicherheit aus", betont Dr. Wolf-Rüdiger Baumann, Hauptgeschäftsführer von textil+mode. "Hier geht es nicht um den Verbraucher, sondern schlichtweg um Protektionismus."

Wie zukunftsträchtig Textilien aus Deutschland sind, erläuterte Dr. Klaus Jansen vom Forschungskuratorium textil+mode an beeindruckenden Beispielen, die von elektrolumineszenten Textilien bis zur futuristischen Architektur reichten. "Für globale Zukunftstrends wie Funktionalität, Leichtbau und Mobilität bieten wir nachhaltige Lösungen." Damit die deutsche Top-Position bei der Entwicklung intelligenter textiler Anwendungen und Lösungen erhalten bleibe, brauche die Industrie ein innovationsfreundliches Umfeld. Und so resümierte t+m-Präsident Schwarze: „"Wir brauchen mehr Europa und nicht weniger!"