Wir wollen besser werden

Mitarbeiter begeistern, Blockaden abbauen, Zukunftsperspektiven schaffen

Ziel-Plan
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Ein Geschäftsführer eines Textilunternehmens in Ostdeutschland hatte gezielt in moderne Maschinen und Ausrüstungen investiert, um Kundenwünsche zu erfüllen, innovative Produkte anzubieten und dem Wettbewerb einen Schritt voraus zu sein. Doch er erkannte, dass dies alleine nicht ausreichen würde, um erfolgreich zu sein. Erst wenn es ihm gelänge, seine Mitarbeiter für die Neuerungen zu begeistern, ihnen das Rüstzeug zu geben, eigenverantwortlich voranzugehen, Umsetzungsblockaden zu lösen und ihnen Zukunftsperspektiven zu eröffnen, würde sich der wahre Erfolg einstellen.

Zu diesem Zweck erarbeitete er mit externer Unterstützung ein Programm zur Weiterentwicklung seiner Führungskräfte und Mitarbeiter, das über einen längeren Zeitraum zu unterschiedlichen Themen unter dem Motto „Wir wollen besser werden“ laufen sollte. Um eine Messbarkeit zu gewährleisten, wurde die Struktur der Programmelemente nahezu gleich angelegt.

Begonnen wurde mit dem Themenschwerpunkt „Weiterentwicklung von Kommunikation, Teamarbeit, Motivation, Kreativität und Führung im Unternehmen“

Im ersten Schritt sollten mit externer Unterstützung intensive Einzelgespräche mit Mitarbeitern der ersten und zweiten Führungsebene geführt werden, um ihre Einstellung und Beurteilung zum Unternehmen zu erfahren. Beim anschließenden Wochenendseminar sollten die Teilnehmer sowohl durch Workshoparbeit, als auch „spielerisch“ an die jeweiligen Themen herangeführt werden. Um die Ergebnisse des Seminars abzusichern und ein Feedback der Mitarbeiter zu erhalten, war geplant, ca. sechs Wochen nach dem Wochenendseminar ausführliche Feedbackgespräche zu führen. Im zweiten Schritt sollte ohne externe Beteiligung das Management die Themeninhalte, die vereinbarten Maßnahmen sowie die Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit der Mitarbeiter verfolgen, unterstützen und im Bewusstsein aller Beteiligten präsent halten.

Begonnen wurde mit dem Themenschwerpunkt „Weiterentwicklung von Kommunikation, Teamarbeit, Motivation, Kreativität und Führung im Unternehmen“. Die Teilnehmer erhielten zur Vorbereitung auf die Einzelgespräche einen Fragenkatalog. Ziel der Einzelgespräche war es, Vertrauen aufzubauen und dadurch Offenheit zu erreichen sowie durch Bewusstseinsarbeit eine neue Sicht auf Probleme, Ideen und Wege zu schaffen, eigene Blockaden aufzulösen und zu effizienten Maßnahmen zu gelangen.

Das Wochenendseminar fand in entspanntem Ambiente außerhalb des Unternehmens statt, um ein positives Umfeld für das gemeinsame Arbeiten zu schaffen, das sich aus teambildenden Aktivitäten und Workshoparbeit zusammensetzte. Als Ergebnis sind zwei Gruppenarbeiten herauszuheben, bei denen neben der Sacharbeit das Bewusstsein für notwendige Veränderung geschaffen wurde: In der ersten Gruppenarbeit wurde die klassische Frage nach den Stärken des Unternehmens erarbeitet und wie weit diese von den Wettbewerbern besetzt sind. Tatsächlich kam heraus, dass die am höchsten bewerteten Stärken überwiegend auch bei den Wettbewerbern vorhanden waren und somit keine strategischen Erfolgspositionen darstellten. Die anschließende Diskussion öffnete kreative Räume für Überlegungen und setzte Gedanken hinsichtlich der zukünftig zu schaffenden „besonderen“ Stärken frei. Ein herausforderndes Maßnahmenprogramm folgte als Konsequenz.

Einen weiteren Denkanstoß ergab die Gruppenarbeit, in der Ursachen und Möglichkeiten zur Reduzierung von II.-Wahl und internen Retouren erarbeitet wurden. Das Ergebnis zeigte, dass es sich bei den Ursachen ausschließlich um solche handelte, bei denen das mittlere Management direkte Verantwortung für deren Vermeidung trug. Das so geschaffene Bewusstsein bei den Führungskräften führte direkt zu intensiven Diskussionen und letztlich zu einem umfangreichen Maßnahmenpaket.

Die nach sechs Wochen geführten Feedbackgespräche zeigten, dass die Teilnehmer extrem positive Veränderungen im Unternehmen empfanden – jedoch weniger bei sich selbst, als bei den anderen Führungskräften. Einige Monate nach diesen insgesamt positiven Aussagen hatte die Geschäftsleitung den Eindruck, dass vieles wieder in den alten Trott verfällt. Die daraufhin geführten Gespräche machten deutlich, dass sich einige Veränderungen doch nicht nachhaltig etabliert hatten. Die Geschäftsleitung entschied daher, dass alte Themenschwerpunkte aufgefrischt und neue aktiv angegangen werden mussten.

Auch die Geschäftsleitung beschäftigte sich selbst mit dem Thema „Management und Führung im Unternehmen“. Die Antworten auf Fragen wie „Wie führen wir, die Geschäftsleitung, in unserem Unternehmen (Eigenbild – Fremdbild)?“, „Wie beurteilen wir das Management- und Führungsverhalten unserer Abteilungsleiter und wie können wir dieses verbessern?“ oder „Wie können wir das Mitunternehmertum unserer Abteilungsleiter/ Mitarbeiter weiterentwickeln und verbessern?“ waren sehr detailliert und unternehmensspezifisch. Der Diskussionsbedarf innerhalb der Geschäftsleitung war sehr viel größer als ursprünglich angenommen. Ein Zeichen dafür, dass entsprechende Gespräche im normalen Alltagsgeschäft nur unzureichend geführt wurden.

Für die Mitarbeiter folgte dann zwei Monate später ein kurzes Projekt mit dem Themenschwerpunkt „Führen und geführt werden – Wege zur Verbesserung für Führungskräfte und Mitarbeiter“. Die auch hier geführten Einzelgespräche ließen erkennen, dass längst als überwunden und gelöst geglaubte Schwierigkeiten noch oder wieder von Bedeutung waren. Die Erkenntnis, dass das mittlere Management unbefriedigende Situationen zwar beklagte, sich aber zu wenig verantwortlich fühlte, um diese zu verändern, machte der Geschäftsleitung Sorge. Ein weiterer Schritt zum Thema „Wir brauchen Problemlöser und keine Problembeschreiber“ folgte.

Die vom Unternehmen bisher durchgeführten und hier beschriebenen Aktivitäten zeigen, dass es nicht einfach ist, „besser zu werden“. Der Rückfall in alte Verhaltensmuster ist immer wieder festzustellen. Dennoch, der eingeschlagene Weg hat sich gelohnt: die Effizienz wurde an vielen Stellen gesteigert und Kosten konnten teilweise immens reduziert werden. Die Geschäftsführung beabsichtigt den Projektzyklus fortzusetzen, Themen erneut aufzugreifen und tiefer im Bewusstsein zu verankern sowie neue Themen anzugehen.