Zuschlag für Zeitarbeit

Gleiche Bezahlung auch in Textilindustrie angestrebt

Zeitarbeit könnte zukünftig auch für Firmen der Textil- und Bekleidungsindustrie deutlich teurer werden. Die Zeitarbeitsbranche prüft derzeit, in welchen Branchen bundesweit Zuschläge für Zeitarbeitnehmer vereinbart werden könnten. Hintergrund ist die Ankündigung von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, gesetzliche Regelungen zur Umsetzung von gleichen Löhnen für Zeit- und Stammarbeitskräfte einzuführen, wenn nicht die Tarifvertragsparteien selbst tätig werden.

Im Bereich der Zeitarbeit gilt zwar schon jetzt das Prinzip der gleichen Vergütung mit vergleichbaren Stammarbeitnehmern (Equal Pay). Von diesem Grundsatz darf allerdings durch Tarifvertrag abgewichen werden, was sehr flächendeckend insbesondere durch die Tarifverträge zwischen dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) bzw. dem Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) und der Tarifgemeinschaft Zeitarbeit aller Einzelgewerkschaften beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) erfolgt ist.

Eine Lohnangleichung soll in der Zeitarbeit nun durch sogenannte Branchenzuschläge für die Zeitarbeitnehmer erreicht werden. Bereits im Mai dieses Jahres konnten die Arbeitgeberverbände BAP und iGZ mit der IG Metall einen Tarifabschluss über Branchenzuschläge bei Arbeitnehmerüberlassungen in der Metall- und Elektroindustrie erreichen. Im Juni 2012 folgte ein Abschluss mit der IG BCE mit entsprechenden tarifvertraglichen Regelungen für Arbeitnehmerüberlassungen in der chemischen Industrie. Je nach Einsatz der Zeitarbeitnehmer und Entgeltgruppe in den jeweiligen Industrien ist gestaffelt von einer Einsatzdauer ab sechs Wochen bis zu neun Monaten ein Zuschlag zwischen 10 bis 50 Prozent auf den Tariflohn der Zeitarbeitnehmer vorgesehen.

Gedeckelt wird der Branchenzuschlag auf die Differenz des Entgelts eines Zeitarbeitnehmers zum laufenden regelmäßig gezahlten Entgelt eines vergleichbaren Arbeitnehmers im Kundenbetrieb.

Zwischenzeitlich laufen Tarifgespräche über Branchenzuschläge auch im Bereich der Ernährungsindustrie, Eisenbahn und Verkehr sowie im Dienstleistungsbereich. Neben Holz und Kunststoff ist nunmehr auch die Textil- und Bekleidungsindustrie in den Blickpunkt gerückt. Wie in den anderen Industriezweigen können die Arbeitgeberverbände der jeweils betroffenen Branchen nur beratend mit von der Partie sein. Auch Südwesttextil kann einen Tarifabschluss zwischen dem BAP bzw. der iGZ und der IG Metall zu Branchenzuschlägen für Zeitarbeitnehmer bei Einsätzen in der Textil- und Bekleidungsindustrie – sollte es soweit kommen – letztlich nicht verhindern. Ob es tatsächlich Sinn macht, für eine Industrie Zuschläge auszuhandeln, die laut Umfragen im Textilbereich durchschnittlich einen Zeitarbeitnehmeranteil von drei, im Bekleidungsbereich sogar von nur 0,5 Prozent hat, wird zu prüfen sein. Fest steht schon jetzt, dass die Entgeltgruppen der Textilindustrie regional höchst verschieden sind und sich denen der Zeitarbeit kaum zuordnen lassen. Auch die Höhe der Entgelte für gleiche Tätigkeiten ist regional sehr verschieden geregelt, was eine bundeseinheitliche Branchenzuschlagslösung erschwert.

Schon jetzt dürfte auch klar sein, dass in der Textil- und Bekleidungsindustrie Branchenzuschläge für Zeitarbeitnehmer bis zu 50 Prozent keinen Sinn machen, da damit regelmäßig über die Vergütung der Stammbelegschaft hinausgeschossen wird.

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