Mehr Wirtschaft wagen!

PH-Werte: Die Kolumne von Südwesttextil-Hauptgeschäftsführer Peter Haas

Hauptgeschäftsführer Peter Haas
Foto: Hauptgeschäftsführer Peter Haas

Eine Wahl ist manchmal wie eine Party in sturmfreier Bude: Bis zum entsprechenden Abend herrscht gespannte Vorfreude – danach kommt der Kater. Das Ergebnis der Bundestagswahl ist ernüchternd. Offen rassistisch und nationalistisch tönende Truppen stellen die drittstärkste Fraktion im Parlament. Wenigstens lautet die Perspektive nicht „Same procedure as last 4 years“. Doch wird Jamaika dynamischer?

Die Liste abzuarbeitender Themen ist lang: Nehmen wir die Digitalisierung. Für diese den ganzen Erdball ergreifende Revolution haben wir weder die ausreichende Infrastruktur noch zeitgemäße Gesetze. Oder nehmen wir den Fachkräftemangel. Wenn manche disruptierte Branche Arbeitnehmer abgibt, müssen diese für den Wandel fit und überhaupt erst einmal veränderungswillig gemacht werden. Bei zunehmender Knappheit am Arbeitsmarkt hatten die Großkoalitionäre von gestern nichts Besseres zu tun, als die Rente mit 70 in Bausch und Bogen zu verwerfen und ein Einwanderungsgesetz auszusitzen. Währenddessen müssen sich Unternehmen im Dschungel von Verordnungen und Gesetzen immer mehr mit der Verwaltung ihrer unternehmerischen Tätigkeit beschäftigen, anstatt sich um die Erzeugung von wettbewerbsfähigen Produkten und Dienstleistungen zu kümmern. Nein, liebe Leser, Deutschland ist nicht die Insel der Glückseligen, das wirtschaftliche und politische Paradies, es ist ein sattes, selbstzufriedenes Land, das die Dramatik der zu erledigenden Aufgaben durch die gute wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre eher ignoriert hat.

Ich hoffe sehr, dass die nächste Bundesregierung wirklich neu denkt, anpackt, wieder mehr Wirtschaft wagt und nach jahrelangem Verteilen wieder das Schaffen fördert. Angesichts erster Ideen muss man jedoch schon skeptisch sein. Nur ein Beispiel: Kaum gibt’s jetzt ein Gesetz zur Entgeltgleichheit von Mann und Frau, wurde untersucht, ob Homosexuelle weniger verdienen als Heterosexuelle. Und siehe da: Die Statistik gibt’s tatsächlich her. Nach dem „gender pay gap“ jetzt auch ein „gay pay gap“. Man fragt sich: Was sagt die Statistik über Katholiken und Evangelen aus? Gibt es einen „pay gab“ zwischen Schwaben und Badenern? Aber, sorry, ich muss abbrechen … ich habe heute noch nicht überprüft, ob jeder unserer Mitarbeiter im Verband schon dieselbe Menge Kaffee getrunken hat, inwiefern die Toilettenpapier-Vorräte reichen, wenn jeder so viel Blatt nutzt wie derjenige, der im letzten Monat das meiste Papier verbraucht hat. Und nicht zuletzt brauche ich noch ein Gutachten unseres Datenschutzbeauftragten, ob ich das eigentlich alles wissen darf. Ich bin dann mal weg …