BAuA startet RMOA-Umfrage zu D4/D5

Die BAuA startete am 1. August 2017 eine öffentliche Konsultation im Rahmen der Erstellung der RMO-Analyse für Octamethylcyclotetrasiloxan (D4) und Decamethylcyclopentasiloxan (D5), da diese nach Ansicht der BAuA unter Verdacht stehen, (sehr) persistente, (sehr) bioakkumulierende und toxische Eigenschaften zu haben. Mit diesem Schritt bahnt sich eine neue Restriktionswelle an, die für die EU-Textilindustrie und weitere Industrien weitreichende Folgen haben kann.

Nach den bisherigen D4/D5-Restriktionen der ECHA in der Kosmetik und dem wohl bald im EU-Amtsblatt veröffentlichten REACH ANNEX XVII, Entry 70, bzw. aktuellen Restriktionsabsichten vom April 2017 im Bereich weiterer D4/D5 haltigen Zubereitungen und Verwendung im Konsumenten bzw. gewerblichen Bereich bezüglich D4/D5 Silikonzyklen war dieser Schritt absehbar.

Der GSC (Global Silicone Council), in dem sich die weltweit größten Silikonhersteller organisieren, kommt im Gegensatz zur BAuA aufgrund eingehender Studien zu Persistenz und Bioakkumulation zu ganz anderen Ergebnissen. Im Internet wurde dazu die Plattform „Cyclosiloxan-Information Center“ vom GSC eingerichtet.

Ziel des Konsultationsverfahrens ist die Sammlung relevanter Informationen, die nicht in den REACH-Registrierungen enthalten sind, zum Beispiel von nachgeschalteten Anwendern oder von Verbänden. Nach Ablauf der oben genannten Frist prüfen die deutschen Behörden die eingegangenen Informationen und organisieren gegebenenfalls ein Gespräch mit direkt betroffenen Firmen und ihren Interessenvertretern, um offene Fragen zu klären. Anschließend erstellen die deutschen Behörden ihre RMOA (Risk-Management-Option-Analysis).

Das BAuA-Konsultationsverfahren läuft bis zum 1. Oktober 2017. Die deutschen Textilverbände unter dem Dach des Gesamtverbands textil+mode werden u. a. mit dem Umwelt- und Silikonchemieexperten der Verbände Südwesttextil und VTB sowie die AFBW, Stefan Thumm, an dieser Umfrage teilnehmen.

Zur Liste der deutschen RMOA, über die auch der Online-Fragbogen zur Konsultation abgerufen werden kann, gelangt man hier.

Das dazugehörende Anschreiben der BAuA finden Sie unter Downloads.

Bedeutung der D4/D5-Silikonzyklen für die Textilindustrie

Für Nicht-Chemiker hören sich die Begriffe D4 und D5 zunächst so abstrakt an, wie wenn sich zwei Genetiker über eine DNA-Sequenz unterhalten. Tatsächlich sind D4/D5 Silikonzyklen übertragen gesehen sehr wichtige Bausteine der „textilen DNA“, sprich zum Rückgrat der modernen Textilveredelung.

D4 und D5 Silikonzyklen sind vor allem Grundbausteine in der Silikonchemie für viele unterschiedliche Silikonrohstoffe. Diese aus D4- bzw. D5-Silikonzyklen erzeugten polymeren Silikonrohstoffe sind für die Textilindustrie höchst relevant und werden weltweit in hunderttausenden Tonnen pro Jahr zu silikonbasierenden Weichgriffmitteln, Nähgarnavivagen, Faserpräparationen für Elasthan-Fasern, Entschäumern und Entlüftern, Silikonelastomeren z. B. für Antirutsch- und Airbag-Beschichtung verarbeitet und auf Textilien eingesetzt. Aufgrund der spezifischen Synthesewege in der Silikonchemie können die wasserdampfflüchtigen D4- und D5- Silikonzyklen in Textilhilfsmitteln und Zubereitungen in unterschiedlichen Mengen enthalten sein und sind damit in der Textilveredlung bzw. Textilreinigung u. a. abluftrelevant.

Bereits jetzt werden national in der bald kommenden neuen TA-Luft die D4/D5 Silikonzyklen in Klasse 1 der organischen Stoffe gelistet sein. Die aktuell laufenden Restriktionsabsichten der ECHA vom April 2017 betreffen zudem auch die Verwendung von Silikonzyklen als alternatives Lösemittel zur Verwendung von Perchlorethylen in der chemischen Reinigung, das auch unter dem Namen „GreenEarth“ vermarktet wird.