Unternehmer-Initiative folgt Einladung ins Bundeskanzleramt

Die Unternehmer-Initiative „Bleiberecht durch Arbeit“ gewinnt zunehmend an Fahrt, auch auf politischer Ebene. Am 26. September trafen sich Vertreter der Initiative zu einem Gespräch mit Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration im Kanzleramt.

Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (Mitte) mit den Vertretern der Unternehmer-Initiative
Foto: Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (Mitte) mit den Vertretern der Unternehmer-Initiative "Bleiberecht durch Arbeit".
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Annette Widmann-Mauz lud die Unternehmen ein, um sich ein Bild von der aktuellen Situation geflüchteter Mitarbeiter zu machen. Die Unternehmen machten deutlich, welch tiefgreifende wirtschaftliche Auswirkungen drohen, wenn wertvolle, gut eingearbeitete Mitarbeiter abgeschoben werden. Sie plädieren für eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, um Geflüchteten in Ausbildung und Arbeit eine Bleibeperspektive zu ermöglichen. Die Unternehmen schilderten ihre Ziele und zeigten konkrete Ideen und Vorschläge auf, die in Form eines Positionspapiers an die Staatsministerin überreicht wurde. Neben Forderungen an die Politik, machten die Unternehmen auch ein konkretes Angebot, wie sie die Integration unterstützen.

Von Seiten der Unternehmen nahmen Markus Winter, Geschäftsführer IDS Holding, Yasemin Öztürk, Assistenz der Geschäftsführung Öztürk Döner, Thomas Osswald, Geschäftsführer Autohaus Osswald und Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm, an dem Treffen im Bundeskanzleramt teil. Antje von Dewitz, VAUDE Geschäftsführerin, die mit der Bahn anreiste, konnte aufgrund einer mehrstündigen Verspätung leider nicht an dem Termin teilnehmen.

Gemeinsam forderten die Unternehmen im Gespräch mit der Staatsministerin ein Bleiberecht für geflüchtete Mitarbeiter mit einem festen Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Sie zeigten auf, welch wirtschaftlichen Schaden eine Abschiebung der geflüchteten Mitarbeiter zur Folge hätte und wie groß der Bedarf an Arbeitskräften insbesondere in der Produktion, dem Handwerk, der Altenpflege und dem Dienstleistungsbereich ist. Darin sind sich alle einig: Die Einstellung von Geflüchteten ist eine Chance, dem akuten Mangel an Auszubildenden und Arbeitskräften in diesen Bereichen zu begegnen.

Dabei plädieren die Unternehmer keineswegs für eine Abschaffung der Identitätsklärung oder die Aufweichung des Asylverfahrens. Praktikable Änderungen der momentanen Gesetzeslage und zusätzliche Regelungen durch ein Einwanderungsgesetz und eine stichtagsbezogene Aufenthaltsgewährung seien nötig, um den Mangel an Fach- und Arbeitskräften in deutschen Unternehmen auszugleichen.

Die konkreten Forderungen beinhalten außerdem vollkommene Transparenz und klare Spielregeln. Im Gegenzug, so die Unternehmen, können Geflüchtete in Arbeit ihren Lebensunterhalt komplett selbst finanzieren. Darüber hinaus bieten die Unternehmen u.a. an, bei den Rechten und Pflichten des Arbeitsnehmers zu vermitteln, volle Unterstützung bei der Identitätsklärung zu leisten und eine(n) Integrationsbeauftragte(n) in den Unternehmen zu benennen. Dabei betonten die Unternehmen auch, dass die Geflüchteten keine billigen Arbeitskräfte darstellten oder ausgenutzt würden. Es gelte selbstverständlich die Devise „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“.

Nachdem die Unternehmensvertreter ihre Position verdeutlichten, folgte ein lebhafter Dialog mit einem intensiven fachlichen Austausch. „Es war ein gutes, konstruktives Gespräch. Frau Widmann-Mauz hat sich mit unseren Forderungen auseinandergesetzt. Wir sind uns einig, dass Menschen, die hier arbeiten und ihren Integrationswillen unter Beweis gestellt haben, eine Bleibeperspektive erhalten sollten. Daher freuen wir uns, dass Frau Widmann-Mauz sich dafür einsetzt, Lösungen auf politischer Ebene zu finden,“ so Markus Winter.

Seit die Unternehmen-Initiative 2017 von VAUDE und der Brauerei Härle initiiert wurde, haben sich über 100 Unternehmen aus Süddeutschland angeschlossen. Dazu zählen viele Handwerksbetriebe, aber auch große Unternehmen wie die Würth AG, Trigema oder die EnBW sowie drei Verbände, die dem politischen Aufruf nach Integration in den Arbeitsmarkt gefolgt sind und Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätze geschaffen haben. Auch Südwesttextil unterstützt die Unternehmerinitiative und berichtete bereits mehrfach über die Fortschritte.

Das Positionspapier sowie weitere Berichte finden Sie in der Anlage an diese Nachricht. Hier geht es zur Online Petition der Unternehmer-Initiative.