ECHA-Restriktion Silikonchemie

Die „Vakuumdestillations-Kostenfalle“ der ECHA für die europäischen Textiler ist ausgeschaltet.

Silikon
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Die Silikonchemie ist eine der Rückgrad-Polymerquellen für die Industrie – auch der Textilindustrie. Wir berichteten bereits ausführlich darüber („BAuA startet RMOA-Umfrage zu D4-/D5-Zyklen“, Link: https://www.suedwesttextil.de/nachrichten/rmoa-umfrage-baua)

D4, D5, D6 beschreiben als Abkürzungen, je nach Syntheseroute der großen Silikonhersteller, u.a. essentielle zyklische Bausteine für die Herstellung von Silikonpolymeren. Alle drei sind vorab bei der ECHA als SVHC-Kandidaten-Stoffe gelistet worden. Die fachlich dünne Grundlage dieser Listung hatten wir auch schon eingehend beleuchtet („Der Alleingang der ECHA“ Link: https://www.suedwesttextil.de/nachrichten/alleingang-der-echa).

Die drei benannten Silikonzyklen können für sich als Lösemittel, z. B. als Ersatz von Perchlorethylen, in der Textilreinigung oder in Kosmetika usw. eingesetzt werden. Im Kosmetikbereich wurde der D4- und D5-Gehalt in Pflegeprodukten usw. bereits mit einem gesonderten ECHA-Restriktionsverfahren eingeschränkt.

Aufgrund dieser hochkomplexen Zusammenhänge war im Vorfeld der Restriktion viel Arbeit bei den Verbänden, Silikonherstellern usw. notwendig, um REACH-Kollateralschäden weitgehendst zu verhindern. Für die deutschen Textiler haben dies die Verbände VTB und Südwesttextil in Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband textil+mode in Berlin und der Euratex in Brüssel fachlich federführend übernommen.

Die Richtung, der am 30. Januar 2019 veröffentlichten ECHA-Restriktionsabsicht, ist in etwa gleichgerichtet mit der bereits gültigen Restriktion im Kosmetikbereich. So konzentriert sich die Restriktion sehr breit auf Zubereitungen für den Konsumentenbereich (z. B. Silikondichtkartuschen, wie wir sie alle aus dem Baumarkt kennen) beziehungsweise den professionellen Einsatz dieser Zubereitungen im Handwerk und Baugewerbe (Betondichtmassen), der Textilreinigung usw.

Die Restriktion soll aber nicht für Zubereitungen (Textil: Silikonweichgriffmittel, Silikon-Entschäumer, Beschichtungsprodukte etc.) gelten, die im industriellen Sektor verwendet werden! Zudem soll diese Restriktion nicht in der chemischen Reinigung von Textilien im industriellen Sektor gelten, da ansonsten einer der Alternativstoffe für das u. a. leberschädigend wirkende Perchlorethylen in der EU weggefallen wäre. Sogar im professionellen Bereich der chemischen Reinigungen wäre die Verwendung weiter erlaubt, wenn sichergestellt werden kann, dass die Zyklen nicht ins Abwasser gelangen können. Neben zahlreichen weiteren Ausnahmen ist der vorgeschlagene Grenzwert für diese Zubereitungen 0,1 % (1000 ppm).

Wichtig: Die Erzeugnis-Ebene ist auch nicht Gegenstand dieser Restriktion. Das heißt, auch Textilien werden nicht mit einem gesetzlichen Grenzwert für D4, D5, D6 belegt, selbst wenn das Textil mit einem silikonhaltigen Produkt behandelt oder während der Veredlung mit diesem in Berührung gekommen ist. Dies gilt dann für über 90 Prozent der weltweit produzierten Textilien. Dieser Umstand wird auch die Schadstoff-Prüfkosten für die Mitgliedsunternehmen dämpfen.
Einen Grenzbereich gibt es bei beschichten Textilien, jedoch nicht in dieser Restriktion, sondern in der SVHC-Listung der drei Silikon-Zyklen.

Durch die Listung der drei Zyklen als SVHC-Stoffe sind Melde- bzw. Informationspflichten innerhalb der Lieferkette nach REACH-Artikel 33 zu erfüllen, die ggf. bei sehr dicken Silikon-Beschichtungen mit hohen Auflagen bei Textilien zum Tragen kommen. Dies kann bei Transportbändern, sterilisierbaren Röntgenschürzen usw. der Fall sein, da hier vor allem die D6-Gehalte die 0,1 % SVHC-Messlatte reißen können.
D6 ist aufgrund seines höheren Siedepunktes weniger flüchtig wie D4 oder D5, kann aber, wenn nötig, durch einen entsprechend aufwendigeren Vakuumdestillationsprozess durch den Hersteller der Beschichtungsprodukte weitgehendst entfernt werden. Technisch ist dies also möglich, verteuert jedoch den Produktionsprozess erheblich. Für solche Fälle sind in der fachlichen Argumentation zum Kunden die oben zitierten Verbandsveröffentlichungen zu diesem Themenbereich sehr hilfreich.

Zum Glück bleibt das Thema Kosten angesichts des eingeschränkten Geltungsbereiches der Restriktion den restlichen Textilern bis auf Weiteres erspart. Dies wären für viele unserer Mitgliedsunternehmen, wie z. B. für textile Silikonbeschichtungsbetriebe oder Nähgarnhersteller, erhebliche Mehrkosten im 5-stelligen Bereich. Diese können im globalen Wettbewerb mit Marktbegleitern – vornehmlich aus Asien – die solche REACH-Restriktionen überhaupt nicht fürchten müssen, über „Sein“ oder „Nichtsein“ entscheiden.