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17.11.2021 // Recht + Betriebspraxis

Neuer DMF-Arbeitsschutzgrenzwert

In der EU wird alsbald ein DMF-Arbeitsschutzgrenzwert von 6 mg/m³ beschlossen, der im kritischen Punkt der Reprotoxizität von DMF bezüglich Schwangeren nicht mehr zwischen Mann und Frau differenziert.

Was ist DMF und wo kommt es vor?

N,N-Dimethylformamid (DMF) ist ein Lösungsmittel, das in zahlreichen Anwendungen der chemischen Industrie sowie zur Herstellung von Handschuhen aus Polyurethan (PU) und Derivaten eingesetzt wird. Es kommt auch bei der Herstellung von Acrylfasern (PAN) zum Einsatz sowie für weitere Spezialprozesse. DMF ist ein chemischer Stoff, der während der Verwendung eingeatmet oder über die Haut aufgenommen werden kann und wird deshalb als gesundheitsschädlich eingestuft. Im Fall langfristiger oder wiederholter Exposition kann DMF die Funktion der Leber beeinträchtigen. Von der DMF-Grenzwertfestlegung der europäischen Chemikalienbehörde (ECHA) betroffen sind breitflächige, offene Herstellungsprozesse wie die PAN-Faserherstellung und Textilbeschichtungen, die technisch nicht so gestaltet werden können, dass absolut kein DMF in die Raumluft entweicht. Ein 6 mg/m³-Grenzwert ist in solchen Produktionen technisch nicht machbar und wie neueste toxikologische Studien des IVC belegen, eigentlich auch nicht nötig. Schwangere Frauen bzw. genauer das ungeborene Kind wurden bisher mit einem völlig unerreichbaren, sehr klug gesetzten 3 mg/m³ DMF-Grenzwert gesetzlich in der EU geschützt. Darüber hinaus dürfen schwangere Frauen schon lange nicht mehr in solchen Produktionen während der Zeit ihrer Schwangerschaft arbeiten.

Dieser für die Gesundheit der Mitarbeitenden nicht notwendige neue Grenzwert hat jedoch für die europäischen textilen Wertschöpfungsketten weitreichende Folgen:

  • Die Herstellungsprozesse für atmungsaktive PU-Textilbeschichtungen bzw. und PU-Membranen aus dem Lösemittel DMF müssen am Ende der Übergangsfristen aufgrund des neuen Arbeitsschutzgrenzwertes eingestellt werden. Diese Beschichtungen/Membranen werden u. a. für Schutztextilien wie Feuerwehrschutzjacken sowie Militärschutzbekleidung etc. eingesetzt.
  • Auch davon betroffen ist die EU-Produktion von PU-beschichteten Textilhandschuhen und DMF.
  • Die Alcantara-Leder-Produktion, ein spezielles textiles Beschichtungs- bzw. PU-Koagulationsverfahren aus DMF auf einem Mikrofasertextil, muss ebenfalls in der EU auf Sicht aufgeben werden.
  • Andere PU-Textil-Kunstlederproduktionen aus DMF nach dem Umkehrbeschichtungsverfahren müssen zudem auf Sicht in der EU eingestellt werden.

DMF gehört zu einer „Lösemittel-Familie“, den sogenannten aprotischen Lösemitteln, zu denen auch NMP (N-Methyl-2-pyrrolidon) und DMAc (N,N-Dimethylacetamid) gehört. Alle drei Lösemittel sind REACH Substance Of Very High Concern kurz SVHC-Stoffe, die im besonderen Fokus der REACH-Regulierung und Restriktion stehen. Nun werden zum Jahresende bzw. im ersten Quartal 2022 mehrere Unternehmen in Deutschland die Produktion von Chemischen Fasern einstellen, bei denen genau diese Lösungsmittel zum Einsatz kommen. Damit gibt es in Deutschland keine Produktion mehr von polyurethanbasierenden PU-Elasthanfasern, die in der Textilindustrie Verwendung finden. Die Lieferketten werden weiter ausgehöhlt ohne einen zusätzlichen Gewinn für den weltweiten Umweltschutz.

Die Folgewirkungen, die die Verbände Südwesttextil und VTB aufzeigen, werden über den europäischen textilen Gesamtverband EURATEX an die EU-Kommission bzw. deutsche EU-Parlamentsabgeordnete adressiert sowie in die jeweiligen Ministerien in Baden- Württemberg, Bayern und Sachsen und zur Leitung des REACH-Beraterkreises im BMWi in Berlin.

Wenn auch Sie betroffen sind, dann wenden Sie sich bitte an unseren Leiter Referat Technik, Umwelt und Innovation Stefan Thumm.

Ansprechpartner*innen

Stefan Thumm

Leiter Umwelt + Produkte

M +49 151 28109045umwelt@suedwesttextil.de

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