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09.11.2021 // Innovation + Nachhaltigkeit

PFAS-Beschränkungsverfahren

Die Kraft zur Deindustrialisierung der EU: Im Rahmen von REACH beantragten am 15. Juli die zuständigen Behörden u. a. aus Deutschland ein Beschränkungsvorschlag für PFAS bei der ECHA.

Bei PFAS handelt es sich um per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese Stoffe sind ein weiterer Teil der „Fluorchemie“, die seit Jahren in zahlreichen REACH-Verfahren beschränkt werden sollen und beschränkt werden. Dieses Verfahren bedeutet eine Beschränkung für die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung aller PFAS in der EU. Die Stoffe werden dann auf der Liste der beschränkten Stoffe in REACH geführt.

PFAS werden etwa in Feuerlöschschäumen, Textilien, Lebensmittelkontaktmaterialien und anderen Verpackungen, Baustoffen, Kosmetika, Oberflächenbeschichtungen sowie in der Automobil- und Flugzeugherstellung verwendet. Insgesamt sind bisher rund 4 700 PFAS-Substanzen identifiziert worden.

Der Grund für die Beschränkung ist, dass PFAS-Substanzen in der Umwelt kaum abbaubar sind und daher für einen sehr langen Zeitraum in der Umwelt verbleiben. Einige PFAS reichern sich in Tieren, Pflanzen und Menschen an und wirken zudem gesundheitsschädigend. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass PFAS Grund-, Oberflächen- und Trinkwasser verunreinigen.

In der Textilindustrie kommen diese Stoffe sowohl direkt in der Textilproduktion als auch in Mischungen bei der Herstellung von Textilimprägniermitteln vor. Zu den wichtigsten Kategorien gehören Heimtextilien, Verbraucherbekleidung und -zubehör, Berufs- und Sicherheitsbekleidung, technische Textilien und Leder. Die wichtigsten Eigenschaften von PFAS in diesen Anwendungen sind wasser- und ölabweisende, schmutz- und chemikalienabweisende und temperaturbeständige Eigenschaften. In der Textilindustrie handelt es sich um ca. 120 Stoffe, die absichtlich verwendet werden oder als Abbauprodukt vorkommen.

Ansprechpartner*innen

Stefan Thumm

Leiter Umwelt + Produkte

M +49 151 28109045umwelt@suedwesttextil.de

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Alle Unterlagen vom BDI-Positionspapier, über die Präsentation des Online-Seminars sowie ein Mitschnitt des Seminars finden sich im Mitgliederbereich hier.

In der Textilindustrie sind die wichtigsten Eigenschaften die Wasserabweisung, Haltbarkeit und Fleckenabweisung. Für die Verwendungskategorien, die eine über die wasserabweisenden Eigenschaften hinausgehende Funktionalität erfordern, scheint es derzeit keine brauchbaren Alternativen zu geben. Dies trifft besonders den Bereich der beruflichen und technischen Textilien, PSA und medizinische Anwendungen. In diesen Bereichen gibt es derzeit keine Alternative zu PFAS, die das gleiche Leistungsniveau bietet.

Von dem von der EU angestoßenen Verfahren sind nicht nur Teile der Textilindustrie existenziell betroffen, sondern auch Zukunftstechnologien wie die Wasserstofftechnologie. Auch für die E-Mobilität wird die Fluorchemie benötigt. Die Automobilhersteller bangen daher ebenso um viele Anwendungen.

Mit dem Beginn dieses Verfahrens startet auch das sogenannte Konsultationsverfahren, bei dem Unternehmen, Verbände, NGOs und weitere Beteiligte und Institutionen ihre Anliegen vorbringen können. Diese Datenerhebung erfolgt über einen Onlinefragebogen. Um möglichst viele Textilunternehmen an einer Teilnahme zu motivieren, führte der Gesamtverband textil+mode Anfang Oktober zwei Online- Workshops zum Ablauf des PFAS-Beschränkungsverfahrens und zur Erläuterung der Vorgehensweise bei der Beteiligung am Konsultationsverfahren durch.

Ergebnisse der Workshops

Dabei wurde von der t+m-Umweltreferentin Dr. Antje Eichler sehr deutlich aufgezeigt, warum das Konsultationsverfahren der EU nochmals bis zum 17. Oktober verlängert wurde. Auch die Bedenken des Verbandes wurden erläutert. So gäbe es für die Gruppenregulierung von tausenden PFAS-Substanzen keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage und verstärke nur das Risiko, dass die Regulierung zu komplex für die Vollzugsbehörden wird und somit nicht mehr durchzuführen ist. In den Workshops wurden zudem von einem Analyseinstitut die fehlenden Instrumente zur Kontrolle angesprochen.

Ein weiterer Kritikpunk ist, dass die allgemein akzeptierten REACH-Prinzipien beinhalten, dass es Beschränkungen nur im Fall von nicht beherrschbaren Risiken geben darf. Der in Planung befindliche regulatorische PFAS-Ansatz steht im Gegensatz dazu. Allein wegen der Persistenz, also der nicht biologischen Abbaubarkeit der Substanzen, ein solches Verfahren einzuleiten, ist wenig zielführend. PFAS-Verbindungen werden eben aufgrund dieser Persistenz gerne von ihren Kritikern „Ewigkeitschemikalien“ genannt. „Doch mit dieser Logik wären aus dem Blick eines Chemikers auch alle die auf der Erde seit Milliarden Jahren natürlich vorkommenden Elemente im Periodensystem ebenfalls „Ewigkeitschemikalien“, gibt Stefan Thumm, Leiter für Umwelt + Produkte bei Südwesttextil zu bedenken. Diese müsste man dann konsequenterweise auch alle verbieten und das wäre ja Quatsch. Genau deswegen sei Persistenz eben kein REACHVerbotskriterium, argumentiert der Experte, der sich schon seit mehreren Jahren mit der Verbotsspirale in der Fluorchemie befasst.

Der Gesamtverband textil+mode sowie die EURATEX beteiligen sich ebenfalls an dem Konsultationsverfahren. Auch der Bundesverband der deutschen Industrie hat mittlerweile die Tragweite dieser PFAS-Beschränkung erfasst und ein sehr ausführliches Positionspapier formuliert.

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